Wie kann Schule wirklich besser werden?



  • Hauptschule sollte abgeschafft werden, die hat eh dazu geführt, das faule Maden noch einen Abschluß bekommen.

    Da ich nirgends "Sarkasmus-Tags" sehe, gehe ich davon aus, dass du das genauso ernst meinst, wie den Rest davor. Ich weiß ja nicht, wo du so lebst, aber in meiner Welt gibt es nicht nur Leute die Real/Gym schaffen. Manche sind halt nicht so schlau, ist einfach so. Was sollen die machen? Nach China gehen und Laptops zusammenkleben? Auch an diese Menschen muss gedacht werden, besonder sogar.

    MfG

    GPC



  • GPC schrieb:

    Da ich nirgends "Sarkasmus-Tags" sehe, gehe ich davon aus, dass du das genauso ernst meinst, wie den Rest davor. Ich weiß ja nicht, wo du so lebst, aber in meiner Welt gibt es nicht nur Leute die Real/Gym schaffen. Manche sind halt nicht so schlau, ist einfach so. Was sollen die machen? Nach China gehen und Laptops zusammenkleben? Auch an diese Menschen muss gedacht werden, besonder sogar.

    Wird denn an diese Menschen gedacht? Mal ehrlich, was willst du denn mit einem blanken Hauptschulabschluss schon großartig erreichen? Im Autohaus oder der Tankstelle arbeiten ... super 👍 Mit solchen Abschlüssen bekommt man heutzutage leider gar nichts mehr. Heutzutage muss man sich ja schon mit einem Abi-Durchschnitt > 2.8 schäbig fühlen ...



  • @kulturelle dinge: es gibt nix schlimmeres als das zerpflücken von kunstwerken in die einzelteile und das ermüdende rumwühlen in zahllosen details. besser wäre es, an wenigen beispielen zielbewußt zu lehren, wie man mit kunst umzugehen hat. dazu gehören aber keine interpretationen über mehrere werke innerhalb eines halbjahrs und auch keine generalbaßbezifferungen usw.
    in meinem deutschunterricht lief jedenfalls das standardprogramm: die breite masse läßt aus desinteresse (und hier ist doch schon der fehler!) zwei drei leute mit dem lehrer den unterricht reißen, man versucht dann, die kursarbeiten mit schematischem vorgehen hinter sich zu bringen. dabei müßte das interesse vermutlich nicht einmal geweckt werden, wenn es nicht früher gezielt abgetötet würde.



  • Walli schrieb:

    Jester schrieb:

    Walli schrieb:

    Man sollte Deutsch ab dem Zeitpunkt, wo es nicht mehr primär um den Erwerb der Muttersprache geht, abwählen dürfen.

    Genau, sonst läuft man Gefahr mit Literatur und anderen kulturellen Dingen in Berührung zu geraten. 🙄

    Mag ja sein, dass es dir Spaß gemacht hat Gedichte zu interpretieren. Mir nicht! Und einen Nutzen für mein Leben habe ich daraus bisher auch nicht ziehen können.

    Wie kurzsichtig. 🙄
    Glaubst du, da kommen gesellschaftstaugliche Wesen bei heraus, wenn Kinder ab der 5. Klasse nur noch Mathe, Physik, Chemie und Musik Unterricht haben, weil alles andere ihnen keinen Spaß bringt?
    Im späteren Leben geht auch längst nicht alles nach dem Lustprinzip. Warum sollte man Schülern sowas dann vorgaukeln? 🙄



  • In den Anfängen der fortführenden Schulen (sprich 5te, 6te ... Klasse) ist da z.B. noch Bedarf an Grammatikübungen (wobei auch das durch die dauernden Reformen schon ins Lächerliche absackt), Textverständnis (Pisa lässt grüßen) etc.

    Das ist eine Sache und auch gut so!

    Eine andere Sache sind die verkorksten Romane aus dem letzten Jahrtausend, welche man in erbrechender Langatmigkeit bis ins letzte Detail und halbe-Seiten-lange-Sätze-entziffernd interpretieren, analysieren, erörtern und mit diversen anderen Werken der postantiken Belletristik vergleichen muss.



  • Jan schrieb:

    Glaubst du, da kommen gesellschaftstaugliche Wesen bei heraus, wenn Kinder ab der 5. Klasse nur noch Mathe, Physik, Chemie und Musik Unterricht haben, weil alles andere ihnen keinen Spaß bringt?

    Ich habe nicht gesagt ab der 5. Klasse. Am Anfang lernt man auf dem Gymnasium durchaus noch Sachen die einem im Wort- und Schriftverkehr behilflich sein können.

    Jan schrieb:

    Im späteren Leben geht auch längst nicht alles nach dem Lustprinzip. Warum sollte man Schülern sowas dann vorgaukeln? 🙄

    Ach weißt du... Lieber man gaukelt Schülern etwas vor und sie lernen etwas, was ihnen Freude macht, statt sie komplett verstumpfen zu lassen. Wenn sie mit langen Gesichtern auf die Uhr starren bis der Gong ertönt, dann ist das für beide Seiten vertane Zeit.



  • Reyx schrieb:

    Eine andere Sache sind die verkorksten Romane aus dem letzten Jahrtausend, welche man in erbrechender Langatmigkeit bis ins letzte Detail und halbe-Seiten-lange-Sätze-entziffernd interpretieren, analysieren, erörtern und mit diversen anderen Werken der postantiken Belletristik vergleichen muss.

    Und genau darüber rede ich die ganze Zeit. Man geht unangemessen tief in ein Fachgebiet hinein, dessen Nutzen für Schüler mehr als fraglich ist.



  • du hast nichts gegen den stoff an sich, sondern die methoden, mit denen er gelehrt wird. jedenfalls klingts für mich so.



  • Jan schrieb:

    Im späteren Leben geht auch längst nicht alles nach dem Lustprinzip. Warum sollte man Schülern sowas dann vorgaukeln? 🙄

    Geht es nicht ? Also ich möchte/werde das machen was mir Spaß macht als Beruf und das ist Programmieren. Ausserdem geht es eher darum Ihnen(den Schülern) das wissen wieder schmackhaft zu machen. Heutzutage hat niemand(unter den Schülern) noch lust zu lernen. Meistens werden sie von Ihren Eltern dazu gezwungen.

    scrub schrieb:

    du hast nichts gegen den stoff an sich, sondern die methoden, mit denen er gelehrt wird. jedenfalls klingts für mich so.

    ich auf jeden fall ja, bei uns wird im Deutschunterricht jedes Meisterwerk einzeln zerpflückt, man verlernt die Kunst in den Büchern zu erkennen nur um die "Facten/Hintergründe" zu sehen, das finde ich echt schade. 👎



  • das stärkste wäre es, die schwächsten zu fördern.

    ich gebe jetzt seit 10 monaten mathe-nachhilfe. und es war noch *kein dummes* kind dabei.

    sehr oft (>=50%) geraten schüler an lehrer, die sie nicht verstehen. in diesen fällen reicht es oft, wenn ich frage, was der lehrer gesagt hat, mich dann eine weile doof stelle und bei jeder unklarheit eine augenbraue herunterziehe und die ander hebe (ähnlich wie spok (ich senke die rechte)) und meistens vergesse, um was es ging (unterdrückte schüler stammeln gerne (bauen unfertige sätze), um unangreifbar zu sein), wenn es lange dauert. wenn der schüler mir dann in wenigen sätzen am stück erzählt, was er hätte lernen sollen, kann er auf einmal auch die hausaufgaben lösen (und dann frage ich mich, warum *ich* da sitzen mußte, warum kein mitschüler, warum keine eltern, warum kein lehrer) (und ich wäge ab, ob ich nur beide augenbrauen freudig hochziehen muss oder einen elton-mäßigen sitztanz aufführen muss (je nach alter, jüngeren schülern ist ein sitztanz des dozenten oder ein warengeschenk (vierfarbkuli) dicht an der glückseeligkeit; abiturientinnen würden sich dabei verarscht vorkommen.)). es gibt wohl auch lehrer mit einer besonderen begabung, solche schüler zu haben. wir haben bei schätzungsweise zehn lehrern davon einen (codename X), der uns circa 50% der kunden erzeugt. die gutgemeinten landesweiten vergleichsklausuren hebelt er aus, indem er die lösungen an die tafel schreibt. hier wäre ohne mehrkosten für die schulen eine stärkere verkursung leicht möglich. wer in einem kurs eine 4 oder 5 hat, wechselt zu dem nächsten, in der hoffnung, daß es nur ein kommunikationsproblem war. immerhin gibt es viele schüler, die mit X glücklich sind, X hat halt kein gespür für die, die langsamer sind, und läßt sie fallen, tief fallen.

    neulich hörte ich, wie ein elter eines 4.-klässlers sagte "in deutsch mit den fällen und so ist es nicht gut, da sollten wir stützen. in mathe ist alles ok soweit, bis auf die textaufgaben." im einvernehmen mit dem nachhilfelehrer wurde vereinbart, im nächsten halben jahr das deusch zu perfektionieren, und mir irgendwann einen 7-klässler in mathe zu übergeben, der triviale dinge kann, die ein taschenrechner besser kann, der aber nirgends einen zusammenhang zwischen zahlen und der welt kennt, aua.

    meine schüler haben alle im schulzeugnis zuvor bewiesen, daß sie stütze brauchen könnten. 4 oder 5. keine 6. keine 3. oft wäre es leicht gewesen, eine 3 in einem halben jahr nachhilfe auf eine stabile 2 oder 1 zu heben. wenn man frühzeitig eingegriffen hätte. auch 4 oder 5 auf 3 geht in einem halben jahr. aber die 6? wir kriegen sie nicht. wir haben fast keine ausländer. und sicher keine arbeitslosen, denn nachhilfe kostet viel geld. es geht uns als volk total viel kompetenz und arbeitskraft durch die lappen.

    mein vorschlag wäre, daß in deutsch und mathe die schlechtesten 20% staatliche nachhilfe in kleingruppen bis 5 schüler mit anwesenheitspflicht bekommen.

    wie gesagt, ich habe noch keine dummen schüler erlebt. die bisher lernbefreiten kanallien sollte man lösen können. und dann hat man auch deutlicher weniger das problem, daß diese kanallien den schnitt runterziehen. soannt man die stärkeren schüler ein, den schwächeren den kram beizubringen, dann raffen die stärkeren währenddessen noch sachen, die bisher unerkannt waren.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Am Anfang kommen die Schüler, weil sie wollen, zum Schluss nur, weil sie kommen müssen.

    du hast damit ein schlimmes problem auf den kern gebracht. ich illustiere es zudem mit einem schrecklichum.

    ich kann 15-jährige damen meiner schülerschaft fragen "ein pulli kostete 50Eu. weil jetzt winterschlussverkauf ist, gibt es 20% rabatt. wieviel kostet er jetzt?" und *alle* sagen 40Eu.
    aber die rechnung bringen sie nur (sogar die meisten ohne taschenrechner), wenn die aufgabe mündlich vorgetragen wird. schreibe ich die aufgabe auf, ist es auf einmal eine schulaufgabe und prozentrechnungsformeln werden gesucht und zum teil gefunden und weniger als die hälfte der damen schafft es noch.



  • scrub schrieb:

    nein nein, akut ist da gar nix, unsere berliner spitzenexperten und ihre regionalfürstenkollegen müssen da erst den großen masterplan entwickeln- ob unsere kinder das noch erleben? ich glaubs nicht...

    Immer schön auf die Regierung warten, die wird das schon für uns lösen.

    scrub schrieb:

    warum unterstützt du seine fehlauffassung vom freiheitsbegriff mit so einer altklugen omaphrase? natürlich meint niemand mit "freiheit des menschen" die absolute totale und überhaupt freiheit, aber F98 paßts gerade in seinen historienfeldzug.

    WIE JETZT?

    Wo habe ich geschrieben, dass man die Freiheit des Einzelnen beschneiden soll? Ich habe lediglich geschrieben, dass viele nicht mit ihr zurecht kommen und es ihnen deshalb "neu" vorgelebt werden muß, wie man damit umgeht.

    Die Menschen in D. müssen lernen, wie man mit Freiheit umgeht.

    Dieses "Vorleben" muß in allen Bereichen erfolgen: Eltern, Schule, zwischen den Kindern.

    Jester schrieb:

    Solange diese Abholmentalität vorliegt wird sich da nicht viel ändern. Und meines erachtens ist ein wichtiger Faktor dafür das Elternhaus.

    allg. Vorschläge:

    Bestehende, "fehlgeleitete" Eltern kann man nur durch äußere scharfe Zwänge zu mehr Verantwortung zwingen, nachdenken und bewußt gegensteuern tun die sowieso nicht mehr.

    Potentielle neue Eltern, nämlich die jetzigen Kinder, muss man von Seiten der Schule her wieder auf die gerade Bahn bringen und die jüngeren schon von klein auf vorzeigen, dass geordnete Bahnen im Leben mehr bringen, trotz Gleichgültigkeit, Mitnahmemetalität, Resignation.

    Lehrer müssen mehr Vorbildcharakter haben und stärkeren soz. Einfluß/Verantwortung auf die Kinder + Eltern.

    Meine Maßnahmen wären:

    - deutschlandweit einheitl. Lehrplan (von wegen "Lulli-Abitur in Brandenburg" und so!)
    - nur noch 10-Klassenabschluß und Gym
    - Schuluniform
    - Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und Übertragung von Verantwortung an die Schüler (Gruppennachmittage, Wandzeitungsbeauftragter, Altstoffsammeln, Wandern ...)
    - Sportunterricht als Pflichtfach
    - Hausbesuche vom Lehrer
    - Verbot von Handys, Zigaretten, Alk
    - Kopfnoten für die Kinder

    Sehr wichtig beim Lernprozess ist auch, dass man mit unliebsamen Sachen (Gedichtinterpretation) konfrontiert wird. Solange man sich immer aus Problemen rauswinden kann, wird man nie Lernen zu Lernen (!), Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen, Initiative ergreifen.



  • Ich verstehe Deine Logik irgendwie nicht.

    Die sollen Selbstinitiative lernen, aber Du zwingst sie zu allem möglichen. Ich sehe da zwei Möglichkeiten: Entweder sie ordnen sich unter und machen mit, warum sollten sie sich dann denn später wehren? Bis jetzt mußten sie ja immer. Oder Möglichkeit 2, sie lehnen sich direkt dagegen auf. Was hast Du dann erreicht?

    Wir müssen weg davon, daß es in der Schule nur um Noten geht. Wenn Du heute einem Kind ne 4-5 gibst im Halbjahreszeugnis, sagen wir in Kunst, weil es nie irgendein Bild abgegeben hat(da ist 4-5 eigentlich noch nett). Ja, da kommen die Eltern in die Sprechstunde. Aber nicht etwa um zu fragen was da los sei, sondern um sich zu beschweren. Es interessiert viele einfach nicht, woher die schlechte Note kommt und was man dagegen tun kann. Es muß nur ne bessere Note her, alles andere ist egal. Da wird dann schon auch mal mit dem Anwalt gedroht.

    Ich glaube, daß diese ganzen Zwänge einzuführen ne saudoofe Idee ist. Die Schüler müssen wieder wollen. Das erreicht man aber nicht indem man ihnen immer sagt "Du mußt, Du mußt, Du mußt ..."



  • Nun zu deinen Vorschlägen: Jester hat es das schon angesprochen, Du solltest vielleicht erklären, was es nützen soll, wenn die Schüler in Uniformen Müll einsammeln usw. Trotzdem noch ein paar Anmerkungen von mir, die mit dem konkreten Thema nicht so viel zu tun haben, aber typische Denkfehler sind, die ständig vorkommen.

    F98 schrieb:

    Jester schrieb:

    Solange diese Abholmentalität vorliegt wird sich da nicht viel ändern. Und meines erachtens ist ein wichtiger Faktor dafür das Elternhaus.

    allg. Vorschläge:

    Bestehende, "fehlgeleitete" Eltern kann man nur durch äußere scharfe Zwänge zu mehr Verantwortung zwingen, nachdenken und bewußt gegensteuern tun die sowieso nicht mehr.

    Und woher sollen die Zwänge kommen? Doch nicht etwa von Vater Staat, oder? Der ist doch quasi ausnahmslos für die Rahmenbedingungen, die für eine verhältnismäßig schlechte Schulbildung führen verantwortlich (Stichworte: Schaffung von sozialen Brennpunkten, schlechte Lehrpläne, schlecht ausgebildete Lehrer usw.). Hier nach mehr Staat zu rufen, kann wohl nur ein Witz sein.

    Meine Maßnahmen wären:

    - deutschlandweit einheitl. Lehrplan (von wegen "Lulli-Abitur in Brandenburg" und so!)

    Der Vorschlag kommt ja immer ziemlich themenunabhängig (also auch bei der Vogelgrippebekämpfung, bei Forschungsgeldern ...). Aber wem genau ist eigentlich damit geholfen, wenn sich jetzt ein paar Bürokraten in Berlin statt in Potsdam treffen und die neuen Lehrpläne austüfteln? Sind die da 20 Kilometer weiter auf einmal viel schlauer, liegts an der Luft oder am Essen, daß auf einmal deutlich bessere Lehrpläne rauskommen? Der Effekt, den man vermutlich erziehlt, ist mehr Bürokratie (jedes Bundesland schickt X Experten, weil jeder möchte ja mitreden) und dann macht man so lange Kompromisse, so daß in einigen Bundesländern das Niveau absinkt und in anderen angehoben wird.

    Sehr wichtig beim Lernprozess ist auch, dass man mit unliebsamen Sachen (Gedichtinterpretation) konfrontiert wird. Solange man sich immer aus Problemen rauswinden kann, wird man nie Lernen zu Lernen (!), Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen, Initiative ergreifen.

    Ach ja. Wie man Verantwortung für sich und andere übernimmt und Initiativen ergreift, lernt man in der Gedichtinterpretation? Schon klar.

    Initiativen ergreift man (ich?) da, wo mir ein Thema Spaß macht und mich ohnehin fasziniert; darum sollte man, wenn man Initiative haben will, vielleicht eher mehr Binnendifferenzierung nach Interessensgebieten durchführen; das bedeutet ja nicht, daß man von den anderen Sachen nichts mitbekommen soll, aber man muß ja nicht ewig bei irgendeinem Spezialgebiet wie den Romanen des poetischen Realismus oder wasauchimmer, mitarbeiten. Den Verdacht, daß dann in 10 Jahren niemand mehr weiß, wer Goethe war, halte ich zwar für unbegründet, aber selbst wenn es so wäre: was ist das Tolle an einer Kultur, zu der man die Leute jahrelang zwingen muß, bis sie sich wie "gesellschaftstaugliche Wesen" (Jan) verhalten? So einer Kultur würde ich keine Träne nachweinen.



  • F98 schrieb:

    scrub schrieb:

    nein nein, akut ist da gar nix, unsere berliner spitzenexperten und ihre regionalfürstenkollegen müssen da erst den großen masterplan entwickeln- ob unsere kinder das noch erleben? ich glaubs nicht...

    Immer schön auf die Regierung warten, die wird das schon für uns lösen.

    Es gibt auch private Initiativen, ich helfe gerade (mal wieder) einer, eine Sonderschule mit PCs auszurüsten. 🙂

    Vom Staat kam da auch nix - aber von anderen Schulen und von den Eltern. Und in einem anderen Forum, wo ich eigentlich nur wegen des Transports gefragt hatte, ergaben sich noch Spenden. 🙂

    Motivation und die Möglichkeiten sind da - nur kriegt sie wohl keiner organisiert. 😞
    Wohl auch, weil keiner weiß, dass es da was gibt oder wie man denen helfen kann. Es muss nicht immer Geld sein. 👍

    Und ihr glaubt kaum, wie sehr sich diese Kinder über "alten Schrott" freuen können. PCs und Monitore, die anderen zu alt sind, daran können die noch super lernen.
    Der eine Junge hatte einen Monitor bei mir im Kofferraum entdeckt: "Ist der für uns? Boah ist der groß! Wie groß ist der?" 😮
    Und so sprang der 5 Minuten völlig aufgedreht hinter meinem Auto rum, damit er reingucken konnte. 🙂
    ...dann musste ich weiter.



  • Jester schrieb:

    Die sollen Selbstinitiative lernen, aber Du zwingst sie zu allem möglichen.

    Du schmeißt hier zwei Sachen zusammen, ohne verstanden zu haben, was ich will:

    Neue staatliche Rahmenbedingungen (Regeln, Grenzen) zur Förderung der Eigenständigkeit, Eigentinitiative. Was durch den staatl. Wischi-Waschi-Kurs in der Vergangenheit rausgekommen ist, führt ja eben gerade zu dieser Diskussion hier.

    Jester schrieb:

    Wir müssen weg davon, daß es in der Schule nur um Noten geht.

    Das habe ich nie angezweifelt. Die Schule (Schüler und Lehrer) muß auch auf dem sozialen Sektor Einfluß haben.

    Jester schrieb:

    Wenn Du heute einem Kind ne 4-5 gibst im Halbjahreszeugnis, sagen wir in Kunst, weil es nie irgendein Bild abgegeben hat(da ist 4-5 eigentlich noch nett). Ja, da kommen die Eltern in die Sprechstunde. Aber nicht etwa um zu fragen was da los sei, sondern um sich zu beschweren. Es interessiert viele einfach nicht, woher die schlechte Note kommt und was man dagegen tun kann. Es muß nur ne bessere Note her, alles andere ist egal. Da wird dann schon auch mal mit dem Anwalt gedroht.

    Das wissmer doch jetzt schon, das wurde doch schon weiter vorne durchgekaut. Jetzt geht es darum wie die Gegenreaktion dazu ausehen soll.

    Jester schrieb:

    Ich glaube, daß diese ganzen Zwänge einzuführen ne saudoofe Idee ist. Die Schüler müssen wieder wollen. Das erreicht man aber nicht indem man ihnen immer sagt "Du mußt, Du mußt, Du mußt ..."

    Wie dann? Mit "Du sollst, Du sollst, Du sollst"? Das wurde doch bis jetzt schon gemacht und hat in die derzeitige Situation geführt.

    Den Menschen muß wieder vorgelebt werden, wie man sein Leben in geordneten Bahnen lebt und das man daurch besser fährt.

    Daniel E. schrieb:

    ... was es nützen soll, wenn die Schüler in Uniformen Müll einsammeln

    Ihr dreht einem hier echt die Worte im Munde um:

    Altstoffsammeln (Zeitungen, Gläser) ohne Uniform, außerhalb der Schulzeit (Nachmittags)! Kein Müllsammeln. In der DDR gabs damals eine Firma namens SERO (SEkundärROhstoffe) die gegen Geld Altstoffe angenommen hat.

    Uniform nur beim Unterricht.

    Daniel E. schrieb:

    Und woher sollen die Zwänge kommen? Doch nicht etwa von Vater Staat, oder?

    Ja, wer sonst? Wer darf Rahmenbedingungen vorgeben? Deine Nachbarin?

    Daniel E. schrieb:

    Der ist doch quasi ausnahmslos für die Rahmenbedingungen, die für eine verhältnismäßig schlechte Schulbildung führen verantwortlich (Stichworte: Schaffung von sozialen Brennpunkten, schlechte Lehrpläne, schlecht ausgebildete Lehrer usw.). Hier nach mehr Staat zu rufen, kann wohl nur ein Witz sein.

    Das Problem ist doch nicht, dass von staatl. Stelle Rahmenbedingungen vorgegeben wurden, sondern dass politische Luschen am Werk waren, die auch noch teilweise Lobbyarbeit geleistet haben.

    Daniel E. schrieb:

    Der Vorschlag kommt ja immer ziemlich themenunabhängig (also auch bei der Vogelgrippebekämpfung, bei Forschungsgeldern ...).

    Bleib beim Thema. Zentraler Bundesdeutscher Lehrplan ist genau das wie man die Schule verbessern kann. Fakt ist doch, das im laufe der Zeit in einigen Bundesländern die Anforderungen an das Abi nach unten korrigiert wurden, und man dort leichter an das Abi kommt, als z.B. in Bayern oder Sachsen.

    Daniel E. schrieb:

    Ach ja. Wie man Verantwortung für sich und andere übernimmt und Initiativen ergreift, lernt man in der Gedichtinterpretation? Schon klar.

    Nein, man lernt, indem man auch unliebsame Sachen machen muß, wie man mit eben solchen Sachen umzugehen hat. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Nur indem der Mensch mit Problemen konfrontiert wird, wird er erzogen. Nicht indem alles fein geschnitten in kleinen vorgekauten Häppchen serviert wird.

    Daniel E. schrieb:

    Initiativen ergreift man (ich?) da, wo mir ein Thema Spaß macht und mich ohnehin fasziniert; darum sollte man, wenn man Initiative haben will, vielleicht eher mehr Binnendifferenzierung nach Interessensgebieten durchführen; das bedeutet ja nicht, daß man von den anderen Sachen nichts mitbekommen soll, aber man muß ja nicht ewig bei irgendeinem Spezialgebiet wie den Romanen des poetischen Realismus oder wasauchimmer, mitarbeiten. Den Verdacht, daß dann in 10 Jahren niemand mehr weiß, wer Goethe war, halte ich zwar für unbegründet, aber selbst wenn es so wäre: was ist das Tolle an einer Kultur, zu der man die Leute jahrelang zwingen muß, bis sie sich wie "gesellschaftstaugliche Wesen" (Jan) verhalten? So einer Kultur würde ich keine Träne nachweinen.

    Weil dies ein langsames Sterben der Kultur bedeutet. Althergebrachtes bedeutet vielfach Wahrheit, Identität, Substanz, Chance zur Selbsterkenntnis.

    Das Gegenteil davon ist Chaos, Verblödung und letztendlich der Untergang zu Gunsten eines anderen.

    Schonmal Herrmann Hesse gelesen?

    Klar, wenn ich das hätte früher im Deutschunterricht vorgesetzt bekommen, hätte ich es nicht gelesen, wäre mir zu langweilig gewesen. Ich war einfach noch nicht reif dazu. Heute sieht das anders aus, heute sage ich hätte ich es damals gelesen und schon verstehen können was der Hesse da eigentlich will. Aber gerade weil ich Lesen und Interpretation im Deutschunterricht gelert habe, bin ich für mein jetziges Weltbild und meine Sichtweise irgendwie vorbereitet worden, auch wenn es mich damals angekotz hat. So ist es nunmal.



  • @F98: Für jemanden, der in einem anderen System aufgewachsen ist klingt das ehrlich gesagt ziemlich radikal. 😮
    Es ist sehr anders als ich es in meiner Schulzeit kennengelernt habe - und deswegen ist es fremd und etwas erschreckend.

    Ich vermute, es geht einigen anderen hier ähnlich.

    Ob es an heutigen Schülern noch so funktionieren würde, wie du es von dir kennst, ist die nächste Frage. 😉



  • estartu schrieb:

    Ich vermute, es geht einigen anderen hier ähnlich.

    Ja, das trifft es ziemlich genau. Ich will sowas nicht haben.



  • Das hat nichts mit radikal oder nicht zu tun. Schleichende Versackung des Systems ist auf ihre Weise genauso geartet, bloß eben nicht so schnell.

    Erkannt haben die meißten das Problem schon, leider traut sich keiner was zu machen, teils aus Eigennutz, teils aus Resignation, teils aus Gleichgültigkeit.

    Warum soll ich den Scheiß lernen? - Ich bekomme doch eh keine Arbeit! - Gebt mir lieber ALG.

    NEIN:

    Ich muß etwas tun, damits mir UND meinem Umfeld besser geht.

    Ob wir da jemals hinkommen?

    Ich glaube es nicht (Resignation).



  • Jester schrieb:

    Ja, das trifft es ziemlich genau. Ich will sowas nicht haben.

    Warum nicht? Weil Du dann etwas tun und aus Deiner Lethargie ausbrechen mußt?


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