Suche Unternehmengründungsberatung für Indien und China



  • Hallo Communitonen,

    ich erwäge eine Niederlassung (Firma) in Indien oder China zu gründen.
    Branchen SW-, HW, IT und Telco.

    Jetzt suche ich internationale Ansprechpartner die mich aufschlauen über (natürlich gegen Geld):
    - Recht
    - politisches Umfeld
    - Wirtschafts-/Steuerrecht
    - landes/regionspezififsche Förderung und Betreuung der Holding vor Ort

    Kann mir jemand hierbei einen Tipp geben?

    Vielen Dank. 🙂

    cu
    P84


  • Mod

    http://www.asia-pacific.de/

    Und dann noch ein persönlicher Tipp von Bäckmann-China-Consulting:

    Wenn Du eine Niederlassung in Asien aufbaust, so brauchst Du einen deutschen Statthalter. Ich finde es immer witzig, wenn die in Stellenanzeigen nach deutschsprachigen Chinesen für diese Niederlassungen suchen. Klar, die gibt's, aber selbst nach Studium im Westen ist der Gruppendruck im Heimatland so groß, daß diese Person einfach nicht unabhängig die Interessen der deutschen Homebase vertreten kann. Dadurch entstehen Parallelwelten, inklusive geschönter Berichte nach Deutschland, um den Gesichtsverlust bei schlechten Nachrichten zu begrenzen.

    Auch wenn die Rolle des Statthalters nicht klar definiert ist (er kann wegen der fehlenden Integrierbarkeit in die Gesellschaft nur schwer den Geschäftsführer spielen), so muß er doch da sein für Kontrolle, Vertiefung des Informationsflusses, Wissenstransfer, "Kümmerer".

    Ohne diese Person entwickelt die Niederlassung eine nicht kontrollierbare Eigendynamik und wird zur Parallelwelt, Groschengrab inklusive. Die meisten kleineren Firmen oder Mittelständler sparen an dieser Person (da nicht billig, Entsendung, hohes Gehalt, psychische und physische Belastung, das läppert sich), aber der Volksmund sagt "spare bei Zeit, dann hast Du in der Not", was auch irgendwie zutreffend ist.

    Oder:

    Konfuzius sprach: "Mit Menschen, die nicht auf demselben Weg wandeln wie Du selbst, solltest Du keine gemeinsamen Plaene schmieden."

    Falls Du nach Zhuhai gehen willst, ich bin Dein Mann. 🙂



  • WQie muß ich den Begriff "Statthalter" verstehen? Bürgermeister oder Firmen-Ansprechpartner?



  • Ich denke mal, Marcus meinte damit eine Art "Überwachungsorgan" welches europäische Wurzeln hat und entsprechend eingreifen kann, wenn die Chinesen nicht mehr auf der Schiene wies vorgesehen ist fahren wollen.

    Bis China ist ein langer weg. Da kriegt man nur zu wenig und viel zu spät mit, wenn man keinen Mann mit der Eigenen ähnlicher Denke vor Ort hat.


  • Mod

    Statthalter = Interessensvertreter des deutschen Stammsitzes

    Ich habe den Begriff durchaus mit Bedacht gewählt, historisch gesehen stand der Statthalter durchaus auch außerhalb der normalen (einheimischen) Hierarchie vor Ort, außerhalb der Führungsriege, aber er war direkt mit der Heimat verbunden und konnte in die normale Hierarchie reingreifen und dort Ämter neu besetzen.

    Du könntest ihn auch netterweise als "Consultant" für die Niederlassung bezeichnen, oder aus Sicht der Hauptfirma als "Transmissionsriemen".


  • Mod

    junix schrieb:

    wenn die Chinesen nicht mehr auf der Schiene wies vorgesehen ist fahren wollen.

    Man muß netterweise auch formulieren "fahren können". Einige Entscheidungen kann ein einheimischer Repräsentat vor Ort aus Gründen des Gruppendrucks und des Faktors "Gesichtswahrung um jeden Preis" gar nicht durchführen, da hilft es dem einheimischen Geschäftsführer, wenn er den "Fremden" als eine Art Entschuldigung für eigene Entscheidungen ins Boot nehmen kann, gleichzeitig stellt der Statthalter aber auch die Grenze das Möglichen fest, die nicht überschritten werden darf.



  • Dass mit der Gesichtswahrung ist schon eine seltsame chin. Philosofie. Führt die nicht manchmal auch in eigenen chinesischen Unternehmungen zu Problemen, Hemmnissen?



  • Marc++us schrieb:

    ...da hilft es dem einheimischen Geschäftsführer, wenn er den "Fremden" als eine Art Entschuldigung für eigene Entscheidungen ins Boot nehmen kann,

    Wobei man doch das Eingreifen des - nennen wirs "Consultant"s doch durchaus auch als Gesichtsverlust definieren kann? Ich meine Grundsätzlich impliziert das ja eine Fehlentscheidung des GF?

    @F98: Diese Philosophie ist weder fremd noch selstsam, nur ausgeprägter als hier in Europa. Aber auch hier kennt man den "Gesichtsverlust". Oder wie sonst erklärst du die du Unfähigkeit verschiedener Leute, Fehler einzugestehen?


  • Mod

    junix schrieb:

    Wobei man doch das Eingreifen des - nennen wirs "Consultant"s doch durchaus auch als Gesichtsverlust definieren kann? Ich meine Grundsätzlich impliziert das ja eine Fehlentscheidung des GF?

    Das zu vermeiden ist die Aufgabe des Teams aus Statthalter und GF... natürlich müssen die sich vorher abstimmen. Deswegen sage ich ja, daß die direkte Nähe erforderlich ist, da hier im Zwiegespräch die Entscheidung ausgelotet werden kann.


  • Mod

    F98 schrieb:

    Dass mit der Gesichtswahrung ist schon eine seltsame chin. Philosofie. Führt die nicht manchmal auch in eigenen chinesischen Unternehmungen zu Problemen, Hemmnissen?

    Asiatische Philosophie! Beginnt in Indien und wächst Richtung Osten an...

    Es führt zu starken Hemmnissen, da es nicht möglich ist, den Chef zu kritisieren. Ein Meeting läuft so ab, daß der Chef spricht und spricht, ab und zu fragt er, dann wird geantwortet, aber es gibt nicht diese Diskussionsrunde, wie man sie bei uns in den Firmen vorfindet.

    Weiterhin erschwert es Fehlannahmen und Fehleinschätzungen zu korrigieren, da eine einmal gemacht Aussage kaum wiederlegbar ist, im Zweifelsfalle wiegt die falsche Annahme schwerer (je höher die Person war desto schlimmer) als die Physik, selbst eine Demonstration in einem Versuch wird diese Aussage nicht öffentlich umkehren. Stattdessen lassen sie dann das Thema nach einigen Wochen einschlafen, usw., was aber sehr nerven- und zeitaufreibend ist. Diskussionen zu dem Thema schaden einem dann selbst, da man ja offen versucht das Gesicht des Chefs zu beschädigen, was als äußerst unhöflich und aggressiv eingestuft wird.

    junix schrieb:

    Aber auch hier kennt man den "Gesichtsverlust". Oder wie sonst erklärst du die du Unfähigkeit verschiedener Leute, Fehler einzugestehen?

    Die Idee haben wir sicherlich, aber diese extreme Übersteigerung, daß der Gesichtsverlust wichtiger ist als die Wahrnehmung von Fakten, das kann man nicht ganz vergleichen. Ein Chef mit einer starken Persönlichkeit kann in seiner Gruppe immer einen Fehler offen zugeben, ohne daß es ihm schadet.

    Du mußt die Definition so sehen: der mögliche Gesichtsverlust entschuldigt jegliche Lüge.

    Das unterscheidet sich dann auch darin, weil man bei uns Dinge nicht zugibt, weil sie einem peinlich sind oder weil man darin einen Gesichtsverlust fürchtet, aber daß die ganze Gruppe für die Person anfängt zu lügen um sie zu schützen, das ist so sehr ungewöhnlich (außerhalb der Mafia).

    Daher empfinden Europäer auch oftmals die Asiaten als unehrlich, da man sie regelmäßig bei Lügen ertappt.



  • Gerade bei Deutschen sollte es da, denke ich, zu Kollisionen kommen? Gibts irgendwo Übersichten/Tipps im Netz, wie man mit Asiaten umgehen muß?


  • Mod

    Es gibt Seiten, aber ich habe keine Links dazu (mehr)...

    Grundsätzlich kann man sagen, wer als Tourist überfordert ist, der ist es geschäftlich erst recht.

    Daher sind solche Sachen schon mal ganz interessant zum Einstieg:

    KulturSchock China | ISBN: 3831710759

    Ich habe zuhause noch ein schönes Buch, aber ich weiß den Titel jetzt nicht mehr. Frag' mich nächste Woche Donnerstag erneut...



  • @Marc++us:

    Vielen Dank für Deine kompetenten Tipps! 🙂

    Das Problem des Statthalters ist genau der Fokus, um dem sich meine Aktivitäten im Moment drehen. Für einen deutschen/europäischen Statthalter in China, der mich kompetenztechnisch vertreten kann, müsste ich mit LNK ca. 250.000,- € per Anno hinlegen. Das entspreche etwa die Hälfte meiner Einlage. Für die selbe Summe bekomme ich ca. 200 chinesische Arbeiter oder 80 indische Informatiker.

    Ein Frisieren der Fakten würde bei mir schwer möglich sein - weil ich konsequent moderne Prozess und IT-Techniken einführen würde, dessen Daten bei mir in D verwaltet werden. Ein Fake würde bei Adherence Check oder Revision sofort auffallen.

    Das Problem des Gesichtsverlustes ist mir leider bestens bekannt:
    Bei meinen letzten Auftrag musste ich leider feststellen, dass es weniger ein Problem war 50M € aus dem Fenster zu schmeissen, als das bestimmte Vorstandsmitglieder ihr Gesicht verloren haben und dies in einen renormierten deutschen Konzern. Jeder der aufstand und Taches redete, wurde entweder ignoriert oder ,wenn das nicht mehr anders möglich war, geschlachtet. Und man wunderte sich nicht, dass viele Meetings wie in China abgehalten wurden, nur dass man die Executives voll vor die Mauer fahren lies und sich nicht vor Ihnen stellte. 😉 So macht man nebenbei in Deutschland Karriere, wie ja eindrucksvoll von Dir praktiziert 😃 .

    Interessanterweise wurde das Projektscheitern danach gefeiert wie der größte Erfolg. Als ob nicht passiert wäre ... 🤡

    China ist aus unternehmerische Sicht nach wie vor lukrativ:
    + Streiks sind verboten
    + null Mitbestimmung
    + billigste Löhne
    + unerschöpfliches Potential an gut ausgebildeten Fachkräfte
    + moderate Steuern
    + sehr hohe Disziplin (Morgenappel)
    + lange Arbeitszeiten
    + geringe Gesetzesregulierungen im Vergleich zu D

    Die Nachteile sind aber auch nicht schlecht:
    - China ist in der Hand der Parteifunktionäre. Tritts Du einen von den auf den Fuß, kannst Du deinen Betrieb sofort dicht machen.
    - China kennt keine internationale rechtsstaatliche Ordnung (nebenher USA eigentlich auch nicht). Kommst Du in Schwierigkeiten kann Dir auch die Botschaft nicht mehr helfen.
    - In China ist es nicht möglich Grundstücke zu erwerben - nur Pacht möglich.
    - In China sind die Bürger Sklaven des Staates. Verbreitest Du in deiner Firma "freiheitliches Gedankengut" bist Du sofort weg vom Fenster.
    - Bei der Einrichtung der internen Informationstechnik, musst Du damit rechnen dass von Dir verlangt wird eine Schnittstelle für Kontrollorgane einzurichten.
    - Es könnte von Dir verlangt werden evt. Zuwendungen an deine Arbeiter zurückzunehmen, weil die Funktionäre fürchten andere Arbeiter "zu verführen".

    Im Moment liebäugele ich mit Bangalor, aber ich habe ein paar Kontakte nach Hongkong...

    Die Consulting Firma in Düsseldorf werde ich mir später nochmal ansehen.
    Vielleicht mache ich einen Termin.



  • Prof84 schrieb:

    ...
    China ist aus unternehmerische Sicht nach wie vor lukrativ:
    + Streiks sind verboten
    + null Mitbestimmung
    + billigste Löhne
    + unerschöpfliches Potential an gut ausgebildeten Fachkräfte
    + moderate Steuern
    + sehr hohe Disziplin (Morgenappel)
    + lange Arbeitszeiten
    + geringe Gesetzesregulierungen im Vergleich zu D
    ...

    Wenn ich sowas schon lese kommt mit das kotzen. Tut mir leid, aber so ist es.



  • Netzwerk-Latenz schrieb:

    Tut mir leid, aber so ist es.

    Das ist vermutlich auch genau der Satz, den du als Antwort zu erwarten hast 😉


  • Mod

    Prof84 schrieb:

    Das Problem des Statthalters ist genau der Fokus, um dem sich meine Aktivitäten im Moment drehen. Für einen deutschen/europäischen Statthalter in China, der mich kompetenztechnisch vertreten kann, müsste ich mit LNK ca. 250.000,- € per Anno hinlegen. Das entspreche etwa die Hälfte meiner Einlage. Für die selbe Summe bekomme ich ca. 200 chinesische Arbeiter oder 80 indische Informatiker.

    Ein Frisieren der Fakten würde bei mir schwer möglich sein - weil ich konsequent moderne Prozess und IT-Techniken einführen würde, dessen Daten bei mir in D verwaltet werden. Ein Fake würde bei Adherence Check oder Revision sofort auffallen.

    Kann ich mir nicht vorstellen.

    Dich nimmt vor Ort schon deswegen keiner Ernst, weil Du kein Gesicht hast wenn Du nicht Präsenz zeigst. Du gehörst nicht zur Gruppe, und bist daher nicht geschützt vor Falschdarstellungen. Oder z.B. gefälschte Mitarbeiterlisten, in den Büchern stehen viel mehr Mitarbeiter, damit zusätzliche Gehälter gebucht werden können. Oder es stehen weniger Mitarbeiter da, wenn gefordert wurde Mitarbeiter zu begrenzen, in Wirklichkeit arbeiten mehr in der Firma und die Gehälter werden über das Büromaterial und Stromrechnung bezahlt. Usw, die Liste der Möglichkeiten ist unendlich.

    Dies passiert übrigens auch alltäglich in Firmen in Osteuropa (Polen, Tschechien, Ukraine), mein Vater berät Firmen bei solchen Niederlassungsgeschichten in Osteuropa, und es stellt sich immer wieder heraus, daß die Hauptfirma in Deutschland nach Strich und Faden belogen wird. Sparen kann sehr teuer sein.

    Und in China wunderst Du Dich nach 2 Jahren, warum auf einer Messe plötzlich ein Produkt steht, das Deinem erstaunlich ähnlich sieht.

    Auch wenn der Statthalter teuer ist, es heißt "geführt wird von Vorne". Denk doch mal systemtechnisch, alleine die Latenzzeit in der Informationsübermittlung. In jedem Regelkreis versucht man die Totzeit so kurz wie möglich zu halten. Und Zahlen sind bereits integrale Größen, d.h. eine Prüfung basierend auf Zahlenmaterial aus dem Rechner liefert bereits keine Information mehr über den Status zum Zeitpunkt t, es sind aber keine Details mehr. Denk mal so, in Indien oder China sind Betriebswirte so billig, daß man einen einstellen kann, der sich nur damit befasst die Zahlen für die deutsche Mutterfirma zu verschönern!



  • Nicht boes gemeint, aber das liesst sich fuer mich, als ob das eine ganz krasse
    Betrugsgesellschaft sei. Wie kommt es, dass sie wirtschaftlich so gut darstehen?
    Genau aus diesem Grund?

    mfg
    v R



  • Na wenn ein deutschverständiger Chinese manche Statements liest, wird der auch nen tolles Bild von dem deutschen Unternehmensgeist bekommen 😉



  • SeppSchrot schrieb:

    Na wenn ein deutschverständiger Chinese manche Statements liest, wird der auch nen tolles Bild von dem deutschen Unternehmensgeist bekommen 😉

    Hmmm...ja, kann ich mir auch gut vorstellen 🙂

    mfg
    v R



  • virtuell Realisticer schrieb:

    Wie kommt es, dass sie wirtschaftlich so gut darstehen?

    Weil alle Welt nach China rennt und damit auch alles Wissen da hin trägt. Die Chinesen wiederum verstehen sich überwältigend gut darin, ihre eigene Wirtschaft zu schützen...


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