Zum Thema Festplattenkapazität
-
Es heißt ja, man könnte den ursprünglichen Inhalt von Festplatten selbst dann noch rekonstruieren, wenn sie bereits mit neuen Daten überschrieben wurden!
Wenn das so ist: warum nutzt man das dann nicht, um die Kapazität der Festplatten zu verdoppeln/verdreifachen/...?
-
Reizbarer Mittelständler schrieb:
Es heißt ja, man könnte den ursprünglichen Inhalt von Festplatten selbst dann noch rekonstruieren, wenn sie bereits mit neuen Daten überschrieben wurden!
Wenn das so ist: warum nutzt man das dann nicht, um die Kapazität der Festplatten zu verdoppeln/verdreifachen/...?
Vermutlich weil die Lesemethoden entsprechend aufwändiger sind. Bei einer Festplatte hast Du halt Deinen GMR-Lesekopf, unter dem sich die Platte durchdreht. Ich weiß nicht, was nun wirklich an der Aussage dran ist, dass man auch noch bei mehrmaligem Überschreiben an die Daten rankommt, aber man kann sich auch andere Mechanismen zum Auslesen so einer Festplatte denken. Vielleicht gehen die da ja mit Magnetkraftmikroskopie ran. Oder mit spinpolarisierter Rastertunnelmikroskopie (SP-STM). Gerade mit SP-STM kann man sehr sehr hohe Auflösungen erreichen. Allerdings kostet ein entsprechendes Mikroskop auch locker mal ne Millionen Euro. Falls man das überhaupt kaufen kann.
Die prinzipielle Idee hinter einer Aussage wie "das kann man noch nach mehrmaligem Überschreiben rekonstruieren" ist doch, dass der Lese-Schreib-kopf der Festplatte die Spur nicht 100%ig hält und vielleicht auch mal um ne zehntel Spur danebenliegt (alle Quantifizierungen sind hier willkürlich). Das heißt, dass beim Schreiben eben nicht wirklich alles überschrieben wird.
Der Lesekopf der Fesplatte ist allerdings nicht sensitiv genug, solche Dinge, die dann neben der "Hauptspur" liegen, auch zu erfassen. Aber das ist ja durchaus auch ein Ansatzpunkt, an dem man versucht, die Kapazität der Festplatten zu erhöhen. Seit der Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands (GMR-Effekt) hat sich die Kapazität ja rasant erhöht. Du merkst: Ich nutze das Kürzel "GMR" hier schon das zweite mal. Den nutzt man nämlich gerade in den Leseköpfen heutiger Festplatten aus. Durch die Nutzung dieses Effekts sind die Leseköpfe im Vergleich zu früher deutlich sensitiver gewordern. Und wenn man diesen Effekt noch steigern könnte, dann würde einem das diesbezüglich weitere Möglichkeiten eröffnen.
BTW: Das theoretische Minimum bezüglich der Datendichte bei so einem Speicherprinzip wie der Festplatte liegt AFAIK bei ungefähr einem Bit auf einer Fläche von 8nm*8nm. Das ist einfach deshalb so, weil Du beim Schreiben magnetische Domänen ausrichtest. Unterhalb einer gewissen Größe können sich aber keine magnetischen Domänen bilden. Ganz einfach deshalb, weil Ferromagnetismus ein Phänomen ist, das eigentlich mit dem Zusammenspiel vieler Teilchen zu tun hat. Letztendlich nutzt man beim Magnetismus ja sogar Methoden der Thermodynamik. Magnetische Systeme sind also thermodynamische Systeme, wobei Thermodynamik letztendlich heißt, dass man viele Teilchen im System annehmen kann. Wenn Du ein Gas mit der Thermodynamik beschreibst, dann hast Du es typischerweise mit 10^22 Teilchen oder so zu tun. In einem Würfel mit Kantenlänge 8nm in einem Festkörper hast Du aber weniger als 10^6 Teilchen. Insofern ist es kein Wunder, dass da dann langsam eine andere Physik herrscht. Den Limes hoher Teilchenzahlen hat man da dann halt nicht mehr. ...wobei da die genaue Datendichte natürlich auch etwas von den genutzten Materialien usw. abhängt. Aber zumindest kannst Du Dir damit relativ leicht ausrechnen, wie hoch die Kapazität bei Festplatten noch werden kann.
DISCLAIMER: Alles in diesem Beitrag ist pure Spekulation. Naja, zumindest einiges.

-
Hab auch schon öfter gehört, dass man Platten nach Überschreiben noch auslesen kann. Was aber dran ist, weiß ich auch nicht. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Inhalt nach MEHRMALIGEM Überschreiben noch auslesbar sein soll. Man hört auch oft, dass Platten von gewissen Eraser-Programmen mehrmals mit Nullen überschrieben werden, wobei ich mich frage, wieso man da ausgerechnet Nullen nehmen sollte. Zufallsdaten sind doch sicher günstiger, da nur Nullen ja eine Art einheitliche Schicht bilden, die sicher einfacher erkannt/rausgerechnet werden kann.
Mich würde auch mal interessieren, inwiefern das noch für aktuelle Perpendicular Magnetic Recording Platten gilt.
-
Die Festplatte zu löschen, ist gar kein Problem. Mit einem Gaußmagneten sind die in nichtmal einer Sekunde von der Platte geputzt ^^
-
Auch dann nicht. Gerade dann nicht. Für den PC natürlich schon, aber mit speziellen Geräten geht's dann sogar besser als vorher.
Aber das wurde hier schon sooft behandelt, da müssen wir mal einen FAQ-Artikel drüber schreiben:
Merkregel: Es gibt keine digitalen Speichermedien. Es gibt nur analoge Speichermedien. Die Digitalisierung wird dadurch erzwungen, daß man Analogwerte oberhalb eines Schwellwertes als 1 interpretiert, unterhalb eines anderen Wertes als 0, und alles dazwischen als Lesefehler. Auf diese Weise simulieren alle realen Geräte Digitaltechnik - RAM, Festplatte, Optische Speicher, CPU. Natürlich kann man daher aus den digitalen Geräten dann viel mehr herauszaubern, wenn man plötzlich mit einem Lesegeräte anfängt zu suchen, das alle Analogwerte auslesen kan.
-
Und aus guten Gründen interpretiert man die Daten digital und nimmt nicht mehr den analogen Wert!
-
Wenn doch alles analog gespeichert wird, warum macht man dann nur zwei Unterscheidungsstufen? also man sagt ja z.B.: < 0.25 => Null, > 0.75 => Eins.
könnte man nicht drei oder vier Abstufungen machen oder sogar noch mehr? dann könnte man die kapazität nochmal erhöhen.
oder macht man das schon?
-
warumnicht schrieb:
könnte man nicht drei oder vier Abstufungen machen oder sogar noch mehr? dann könnte man die kapazität nochmal erhöhen.
oder macht man das schon?macht man schon. es gibt z.b. übertragungstechniken (QPSK, PAM-5, etc.) um mehr bits in einen übertragungskanal zu stopfen. aber wenn man's mit solcher kompression übertreibt, braucht man wieder aufwendige fehlerkorrekturverfahren.
-
Ich habe mal aufgeschnappt, dass bei den heutigen Festplatten die Datendichte so hoch ist, dass diese Restmagnetisierung gar nicht mehr so stark ist um nach einem überschreiben der Festplatte die alten Daten noch wiederherstellen zu können.
Kann das jemand bestätigen?
-
lolz schrieb:
Ich habe mal aufgeschnappt, dass bei den heutigen Festplatten die Datendichte so hoch ist, dass diese Restmagnetisierung gar nicht mehr so stark ist um nach einem überschreiben der Festplatte die alten Daten noch wiederherstellen zu können.
Kann das jemand bestätigen?Es gibt diesen, inzwischen auch schon 3 Jahre alten, Artikel: http://www.nber.org/sys-admin/overwritten-data-guttman.html
-
Christoph schrieb:
Es gibt diesen, inzwischen auch schon 3 Jahre alten, Artikel: http://www.nber.org/sys-admin/overwritten-data-guttman.html
Also doch alles nur marketing Mythen, damit man diese tollen zehnfach Überschreibungsprogramme verkaufen kann.
-
So wie die Spurweiten schrumpfen, verbessern sich ja auch die Meßmittel.
Ich würde mich also nicht darauf verlassen.
Man kann selbst von einer CDR, wenn sich die Silberschicht gelöst hat, die gebrannte Daten aus dem Polycarbonat rauslesen - obwohl die Daten ja eigentlich gar nicht in das Polycarbonat geschrieben werden. Nur aus dem (mir fällt kein guter Ausdruck dafür ein) "Brennschatten".
-
Das Problem besteht IMHO auch darin, dass die Spurweiten verkleinert werden könnten (somit mehr Kapzität), allerdings die Köpfe derzeitig nicht mehr kleiner zu bekommen sind.
-
Ich habe mir den Artikel durchgelesen und jetzt würde es mich doch interressiern ob es seit Erscheinen des Artikels einen dokumentierten Fall gab wo wirklich die alten Daten aus einem überschriebenen Sektor wiederhergestellt werden konnten.
-
lolz schrieb:
Ich habe mir den Artikel durchgelesen und jetzt würde es mich doch interressiern ob es seit Erscheinen des Artikels einen dokumentierten Fall gab wo wirklich die alten Daten aus einem überschriebenen Sektor wiederhergestellt werden konnten.
Das ist halt nichts was öffentlich diskutiert wird. Aber frag doch mal bei Datenrettungsunternehmen an.
Aber sagen wir mal so: Wenn du $DICH_INS_GEFÄGNIS_BRINGENDE_DATEN entfernen wollen würdest, würdest du ein Risiko eingehen wollen?