Studiengebühren - Pro-Contra (Split aus Beruf+Ausbildung)



  • muemmel schrieb:

    Hi Scrub,

    ein Studium ist NIE umsonst, zumindest nicht, wenn man auch den Abschluß schafft. Zum einen ist so ein Abschluß was, was einem keiner wieder wegnehmen kann, zum anderen bringts Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Die erziehlbaren Einkommen sind höher, die Gefahr der Arbeitsosigkeit ist geringer und es ist im allgemeinen der einzige Weg zu einer Arbeit die auch Spaß macht.

    Sicher jammern alle immer über die Kosten. Wie auch im privaten Bereich. Aber auch dort kaufen viele (so sie es sich leisten können) die wesentlich teureren Marken wie Miele oder Mercedes. Warum soll es auf dem Arbeitsmarkt anders sein.

    Also auch wenns jetzt wieder etwas offtopic ist, aber da möchte ich auch etwas widersprechen. Du hast zwar schon recht, aber andererseits auch wieder nicht 😉

    Es ist zwar schon so, dass man prinzipiell höhere Einkommen hat und die Gefahr der Arbeitslosigkeit wohl eher geringer ist. Aber so *richtig* lohnen tut sich ein Studium von den Aspekten eigentlich auch nicht, mal verglichen mit einer Ausbildung. Du hast ja schon einiges an Kosten in den (im Schnitt) 5 Studiumsjahren... da sind die Studiengebühren noch das mindeste. Dazu kommen ja noch die ganzen Unterhaltskosten (Wohnung, Geld, Mobilität), die man bei einer Ausbildung in der Regel nicht so wie als Student hat. Zudem kriegt der Azubi ja auch eine Vergütung in seinen 3 Ausbildungsjahren und ist in der Regel auch früher mit der Schule fertig. Das hat zur Folge, dass er um einiges früher ins Berufsleben starten kann und richtig verdient. Bis der Student mal richtig einsteigt, hat der schon einige Jahre richtig verdient. Und dank unseres progressiven Steuersystems ist der Mehrverdienst den man als Hochschulabsolvent in der Regel bekommt ziemlich lächerlich. Da muss man schon gewaltige Gehaltssprünge machen um sich mal deutlich vom Gehalt abzuheben (und nicht zu vergessen, auch nicht-studierte machen Gehaltssprünge).
    Und vergessen darf man ja auch nicht, dass man schon auch viel persönlichen Aufwand/Zeit in ein Studium stecken muss (klar muss man in ne Ausbildung auch, aber es ist halt dennoch prinzipiell nicht so aufwändig).

    Naja aber wie gesagt, natürlich hat man da dennoch prinzipiell Vorteile als Hochschul-Absolvent... aber überschätzen würd ichs auch nicht. Passiert ja auch nicht grundlos, dass viele die hier studiert haben, nachher ins Ausland gehen. Seh ich bei mir unten ja auch, dass sehr viele rüber in die Schweiz zum Arbeiten gehen.



  • In der Erstsemesterbegrüßung gestern hat der Dekan doch tatsächlich die Gebühren als unsozial bezeichnet. Tststs 🙂



  • Ist es eigentlich so schwer zu verstehen, dass es vielfältigere Gründe für ein Studium gibt als spätere Gehälter?
    Warum brechen Wirtschaftswissenschaftsstudenten nicht nach dem ersten Semester, sprich dann wenn sie die Kosten und den Nutzen ihres Studiums in einem anderen Kontext sehen, ab?
    Warum versteht niemand, dass Studiengebühren für jedermann in der Tat "unsozial" sind (man gehe von einer sozialen Markwirtschaft aus), aber die Abschaffung keine Alternative darstellt?

    Ein VWL u. BWL Student



  • Hi,

    Christoph K. schrieb:

    Warum brechen Wirtschaftswissenschaftsstudenten nicht nach dem ersten Semester, sprich dann wenn sie die Kosten und den Nutzen ihres Studiums in einem anderen Kontext sehen, ab?

    das ist unlogisch. Warum sollten sie? Ein Studium ist trotz Studiengebühren eine hervorragende Investition, die durch das spätere Mehr an Gehalt schnell "zurückgezahlt" ist.

    Chris



  • ChrisM schrieb:

    Hi,

    Christoph K. schrieb:

    Warum brechen Wirtschaftswissenschaftsstudenten nicht nach dem ersten Semester, sprich dann wenn sie die Kosten und den Nutzen ihres Studiums in einem anderen Kontext sehen, ab?

    das ist unlogisch. Warum sollten sie? Ein Studium ist trotz Studiengebühren eine hervorragende Investition, die durch das spätere Mehr an Gehalt schnell "zurückgezahlt" ist.

    Chris

    nep (und viele nicht Akademiker sind der selben Auffassung) hat den Punkt im ersten Post in Frage gestellt.
    Und wie dir um die Uhrzeit entgangen ist, ist solch eine Frage aus dem Mund eines VWL Studenten natürlich nicht als ernstgemeinte, sondern vielmehr als provokante Frage zu verstehen.



  • Christoph K. schrieb:

    Warum versteht niemand, dass Studiengebühren für jedermann in der Tat "unsozial" sind (man gehe von einer sozialen Markwirtschaft aus), aber die Abschaffung keine Alternative darstellt?

    Ich verstehe das nicht, weil diese "keine Alternative" in den letzten, hm, 60 Jahren Realität war? Korrigier mich, wenn ich mich irre.
    Die Alternative ergibt sich ganz einfach durch ein Studium des Haushalts eines Bundeslands Deiner Wahl und dem Verfolgen der Höhe der Haushaltsmittel für Hochschulen in diesem Haushalt. Sollte für einen Zahlenhengst ja kein Problem sein 😉



  • Ob sich ein Studium finanziell rechnet oder nicht hängt ja auch davon ab was man studiert hat, wo man unterkommt, und vor allem auch mit welchem Ausgebildeten man sich vergleicht. Ich kenne einen Tech-BWLer* der sich mit ~32k€/a abspeisen hat lassen. Da kommen viele Industriemechaniker (mit evtl. Schitarbeit) locker drüber.

    Eine Statiskik über Einkommen von Ausgebildeten <-> Studierten wäre durchaus interessant. Ich such aber keine 😉



  • Zu Studiengebühren allgemein:

    Das Problem in Deutschland und Österreich ist, dass die Studiengebühren noch so jung sind. Es gibt kein System, was die Studiengebühren effektiv auffängt, außer die Geldbörse von Mami&Papi. In anderen Ländern, die oft bei solchen Diskussionen als Vorbild angeführt werden, wie den USA oder Großbritannien gibt es lang etablierte Systeme von Stipendien, Studienkrediten und sogar Firmenfinanzierungen. Selbst wenn man arm ist und entsprechende Leistungen bringt, kann man dort ein teueres Studium an einer teuren Uni durchführen. In Deutschland/Österreich gibt es sehr wenige Leistungsstipendien, die oft auch noch sehr mager sind. Das führt dazu, dass die Studiengebühren nicht hauptsächlich Leute vom Studium abhalten, die dazu unqualifiziert wären oder die sich schlecht für den Arbeitsmarkt positionieren, sondern vor allem Studenten rausgefiltert werden, deren Eltern einfach kein ausreichendes Einkommen haben. Und ich weiß nicht, ob wir uns ein derartig arrogantes und veraltetes Klassendenken leisten können und sollten. In Deutschland hängt der Karriereweg eines Kindes schon so überproportional vom Status der Eltern ab.

    Also wenn man Studiengebühren einführen will, dann sollte man erst bitte ein System von Stipendien uä. einführen und wenn das ein paar Jahre etabliert ist, dann darf man über Studiengebühren reden.

    Tim schrieb:

    (mit evtl. Schitarbeit)

    Shit- oder Schichtarbeit?

    😕 😉 :p



  • rüdiger schrieb:

    Tim schrieb:

    (mit evtl. Schitarbeit)

    Shit- oder Schichtarbeit?

    😕 😉 :p

    d'oh 😃



  • scrub schrieb:

    In der Erstsemesterbegrüßung gestern hat der Dekan doch tatsächlich die Gebühren als unsozial bezeichnet. Tststs 🙂

    Das gleiche hab ich an dem Tag auch gehört, wo studierst du? 😃



  • Karlsruhe, und die Begrüßung war am 15.10. vormittags (also letzten Mittwoch).

    Falls Du andeuten willst, das hätten einfach alle gesagt- ich würde schon sagen, daß der Mann das ernst gemeint hat 😉 Sonst hätte ich das nicht erwähnt.



  • Das hier
    http://www.tagesschau.de/inland/studiengebuehren100.html
    war schon bei Einführung der Gebühren zu erwarten. 👎 💡 ⚠
    So macht man das Bildungssystem kaputt.



  • Insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern verzichten der Untersuchung zufolge wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien "deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen", stellt das Hochschul-Informations-System (HIS) in der Studie fest.

    Wieder eine Studie die ein voellig ueberraschendes Bild zur Tage foerdert. Wer haette gedacht das 500 Euro pro Semester junge Menschen und bildungsfernen Elternhäusern vor dem Studium abschreckt. Ich haette gedacht sie wuerden sich freuen fuer gute Bildung 500 Euro zu bezahlen.



  • Wen wundert denn das jetzt? Es ist m.E. naiv zu glauben, dass das nicht sogar beabsichtigt war.



  • rüdiger schrieb:

    Das Problem in Deutschland und Österreich ist, dass die Studiengebühren noch so jung sind

    zumindest in österreich sind sie nun wieder großteils abgeschafft.

    ich sehe das so: das höhere einkommen, das das studium einem (anscheind) beschert, bringt dem staat mehr steuereinnahmen. dieses "mehr" an steuereinnahmen sind kann man auch als "aufgeschobene" studiengebühren betrachten und schon ist alles in ordnung.



  • Hallo,

    naja, es ist aber letztendlich so, dass wegen BaföG und Studienkredit niemand vom Studium abgehalten wird, der wirklich studieren will. Natürlich muss der Kredit zurückgezahlt werden, aber wie kann sich das Studium eines einzelnen denn für die Gesellschaft ökonomisch lohnen, wenn es sich nicht mal für die die einzelne Person lohnt, wenn sie nur einen Teil der Kosten (die Studiengebühren decken ja bei weitem nicht die gesamten der Uni entstehenden Kosten ab) selbst tragen muss?

    Viele Grüße
    Christian



  • ChrisM schrieb:

    aber wie kann sich das Studium eines einzelnen denn für die Gesellschaft ökonomisch lohnen, wenn es sich nicht mal für die die einzelne Person lohnt, wenn sie nur einen Teil der Kosten (die Studiengebühren decken ja bei weitem nicht die gesamten der Uni entstehenden Kosten ab) selbst tragen muss?

    Du meinst, das Einkommen einer Person ist proportional zum gesellschaftlichen Nutzen? Im Sozialismus vielleicht, idealerweise.



  • Elektronix schrieb:

    Das hier
    http://www.tagesschau.de/inland/studiengebuehren100.html
    war schon bei Einführung der Gebühren zu erwarten. 👎 💡 ⚠
    So macht man das Bildungssystem kaputt.

    Warum? Das muß doch nicht mal negativ sein.



  • Bashar schrieb:

    Wen wundert denn das jetzt? Es ist m.E. naiv zu glauben, dass das nicht sogar beabsichtigt war.

    Warum sollte das beabsichtigt gewesen sein?
    Man muss nicht gleich hinter allem eine Verschwörungs-Theorie vermuten. 🙂

    Gute Ausbildung ist die einzige Ressource über die Deutschland verfügt. Allerdings kostet gute Ausbildung Geld. Meines Erachtens sollte das Geld aber vom Staat kommen und nicht vom Bürger.



  • Daniel E. schrieb:

    Elektronix schrieb:

    Das hier
    http://www.tagesschau.de/inland/studiengebuehren100.html
    war schon bei Einführung der Gebühren zu erwarten. 👎 💡 ⚠
    So macht man das Bildungssystem kaputt.

    Warum? Das muß doch nicht mal negativ sein.

    Was bitte soll denn daran positiv sein?

    It0101 schrieb:

    Gute Ausbildung ist die einzige Ressource über die Deutschland verfügt. Allerdings kostet gute Ausbildung Geld. Meines Erachtens sollte das Geld aber vom Staat kommen und nicht vom Bürger.

    Full ACK. Weil letztendlich durch diese Ressource die gesamte Gesellschaft profitiert.


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