Kommen die Einsteins von morgen wieder aus Deutschland?





  • JO, die gehen dann aber, nach einer unendlich teuren Ausbildung, alle in die USA



  • Die wesentlichste Bildung erhielt Einstein außerhalb Deutschlands, wenn du das meint.



  • Ein "Einstein" ist heutzutage gar nicht mehr möglich. Ich habe dazu letzt mal eine sehr interessante Aussage gelesen. Da stand:

    Physik Journal - August/September 2005 schrieb:

    [...]Zweitens war Einstein, obwohl er kein akademischer Physiker war, auf der Höhe des Wissens seiner Zeit.

    Diese Eigenschaft, auf der Höhe des Wissens der Zeit zu sein, halte ich für eine Grundvoraussetzung, um eine Erweiterung/Erneuerung des wissenschaftlichen Weltbilds zu erreichen, wie sie damals mit Einstein verbunden war. Damals war es Einstein möglich, dieses Wissen zu haben und das auch noch, obwohl er nichtmal ein "akademischer Physiker" war.

    Heutzutage sagt man, dass sich die Menge des Wissens alle 10 Jahre verdoppelt. Wenn man das von Einsteins Wunderjahr 1905 hin raufrechnet, dann ist heutzutage mehr als 1000 mal mehr Wissen vorhanden. Das haben nichtmal Professoren, die viele Jahre im wissenschaftlichen Betrieb tätig waren. Eine wissenschaftliche Revolution, wie sie mit Einstein verbunden war, ist deshalb in der heutigen Zeit völlig unmöglich geworden. Man weiß dafür bereits zu viel und die Leute, die vom Geist her in der Lage sein könnten, soetwas zu begründen, müssen heutzutage viel zu spezialisiert sein.

    Da muss man sich ja nur die Studienpläne angucken: Mein Physikstudium besteht zum Beispiel zum Großteil aus Themenbereichen, die völlig gesichert sind. Die bieten nicht mehr den Platz für Innovationen, von dem man als junger Student vielleicht Träumt. Soetwas ist dann letztendlich nur noch in einer Spezialisierung möglich, der im Studium nichtmal 20 Semesterwochenstunden zugebilligt werden und die wirklich eine derartige Spezialisierung darstellt, dass man von allen anderen Bereichen, in denen eine deutliche Weiterentwicklung möglich ist, gar nichts mitkriegt. In meinem Informatikstudium ist es letztendlich ähnlich, wobei das da natürlich deutlich abgespeckt ist: Die Informatik ist als Wissenschaft halt noch relativ jung.

    Die Wissenschaft hängt heutzutage auch einfach nicht mehr an "nur wenigen Personen". Jeder einzelne veröffentlicht vielleicht irgendwelche Papers, die alleine genommen meist keinen sehr großen Erkenntnisgewinn darstellen. Die enorme Zunahme an Wissen in der heutigen Zeit geht vielmahr darauf zurück, dass es viel mehr Wissenschaftler gibt, die eben solche Dinge veröffentlichen. Der Fortschritt ergibt sich dann als Summe der gemeinsamen Arbeit.



  • Ich frage mich, was du mit "auf der Höhe des Wissens der Zeit sein" meinst. Einstein hat sicher nicht alles gewusst, was die Menschheit damals wusste. Das muss er auch gar nicht, er muss nur in seinem Fachgebiet einiges wissen. Man kann auch Physik beliebig in kleine Fachgebiete unterteilen, so dass man für dieses Fachgebiet nur noch so viel Wissen braucht, wie man sich in einem Menschenleben aneignen kann. Und dann ist es sehr wohl möglich, dort was neues zu entdecken, auch heutzutage.
    Einstein hat auch nicht alles über Physik gewusst. Er hat das Modell der Quantenphysik bis zum Ende abgelehnt, obwohl es heute weitgehend verwendet wird, um mikroskopische Erscheinungen bei nicht-relativistischen Geschwindigkeiten zu beschreiben. Trotzdem hat er er wohl in einem anderen Teilgebiet der Physik, nämlich der relativistischen Physik, für Fortschritt gesorgt.



  • Nein. Aber wenn in Zukunft jemand ein schiefes Gebäude sieht, kann er messerscharf
    schließen : der Architekt hat ursprünglich in Deutschland die Schule besucht.



  • Optimizer schrieb:

    Ich frage mich, was du mit "auf der Höhe des Wissens der Zeit sein" meinst. Einstein hat sicher nicht alles gewusst, was die Menschheit damals wusste. Das muss er auch gar nicht, er muss nur in seinem Fachgebiet einiges wissen. Man kann auch Physik beliebig in kleine Fachgebiete unterteilen, so dass man für dieses Fachgebiet nur noch so viel Wissen braucht, wie man sich in einem Menschenleben aneignen kann. Und dann ist es sehr wohl möglich, dort was neues zu entdecken, auch heutzutage.

    Die Leistung von Einstein besteht weniger darin, auf einem Spezialgebiet etwas neues entdeckt zu haben, sondern darin, damals unzusammenhängende Teilgebiete der Physik miteinander verbunden zu haben. Die Relativitätstheorie ist in der Reibungszone zwischen Elektrodynamik und Mechanik angesiedelt, die Lichtquantenhypothese zwischen Elektrodynamik und Thermodynamik, die Erklärung der Brownschen Bewegung (stammt auch von ihm) verbindet Thermodynamik und Mechanik. Die Vorleistungen waren erbracht, nur waren die damaligen Physik-Koryphäen wohl alle zu eingefahren, um über ihren Tellerrand zu blicken, da bedurfte es erst eines kleinen Patentangestellten ...



  • Optimizer schrieb:

    Ich frage mich, was du mit "auf der Höhe des Wissens der Zeit sein" meinst. Einstein hat sicher nicht alles gewusst, was die Menschheit damals wusste.

    Naja, natürlich war das physikalische Wissen seiner Zeit gemeint.

    Optimizer schrieb:

    Man kann auch Physik beliebig in kleine Fachgebiete unterteilen, so dass man für dieses Fachgebiet nur noch so viel Wissen braucht, wie man sich in einem Menschenleben aneignen kann. Und dann ist es sehr wohl möglich, dort was neues zu entdecken, auch heutzutage.

    Ja, das habe ich auch nicht bestritten. Man kann sicherlich noch neue Dinge entdecken und es werden auch andauernd neue Dinge entdeckt. Aber Einstein steht zumindest für mich für etwas anderes. Er steht für eine Revolution des wissenschaftlichen Weltbilds. Das ist weitaus mehr als "Etwas neues Entdecken". Wenn jetzt zum Beispiel in ein paar Jahren das Higgs-Teilchen am LHC entdeckt wird, dann ist das bei weitem nicht mit den Erkenntnissen vergleichbar, die Einstein seinerzeit gebracht hat.

    Optimizer schrieb:

    Einstein hat auch nicht alles über Physik gewusst. Er hat das Modell der Quantenphysik bis zum Ende abgelehnt, obwohl es heute weitgehend verwendet wird, um mikroskopische Erscheinungen bei nicht-relativistischen Geschwindigkeiten zu beschreiben. Trotzdem hat er er wohl in einem anderen Teilgebiet der Physik, nämlich der relativistischen Physik, für Fortschritt gesorgt.

    Er hat dieses Modell abgelehnt, das gebe ich zu. Aber er hat sich damit auseinandergesetzt. Er hat bezüglich dieser Theorie beispielsweise einen intensiven Dialog mit Niels Bohr geführt. Er hat sich eben mit den Theorien der Physik, die zu seiner Zeit entwickelt wurden, auseinandergesetzt bzw. er hat sich vor allem damit auseinandersetzen können. Heutzutage geht das nicht mehr: Bevor du dich ernsthaft mit den neuen Theorie eines fremden Teilgebiets der Physik oder auch einer anderen Disziplin auseinandersetzen kannst, benötigst du eine enorme Einarbeitungszeit. Deshalb hat heute keiner mehr einen solchen Einblick in die gesamte Physik, dass er weiß, welche Entwicklungen es da insgesamt gibt.

    Und Einstein hat im Übrigen trotz dem, dass er "nur" einen Nobelpreis gekriegt hat, noch weitere Bereiche gehabt, in dem ihm ein Nobelpreis zugestanden hätte. Insgesamt hätten ihm wohl 3 Nobelpreise zugestanden. Den Nobelpreis, den er tatsächlich gekriegt hat, hat er ja nichtmal für die Relativitätstheorie gekriegt, sondern für seine Arbeiten zum Fotoeffekt bzw. zur Lichtquantenhypothese.



  • Einstein sollte in diesem Thread wahrscheinlich für "Genie" stehen.



  • genie schrieb:

    Einstein sollte in diesem Thread wahrscheinlich für "Genie" stehen.

    Ok... "Genies". Gehen wir mal von Genies im akademischen Sinne aus. Da sollte man sich vielleicht erstmal darüber klar werden, warum die "Spitzenleute" momentan eher weniger in Deutschland zu finden sind. (Das axiomatisiere ich hier einfach mal, wenn man sich die Nobelpreise der neueren Zeit anguckt, dann ist Deutschland da einfach nicht entsprechend vertreten.) Was hat das für Gründe? IMHO sind dafür 2 Dinge verantwortlich, wobei man sicherlich über beide streiten kann und vielleicht sind die auch nicht ganz richtig so.

    1. Durch den 2. Weltkrieg bzw. das ganze 3. Reich hat ein Großteil der damalige intellektuellen Elite Deutschland verlassen. Die sind auch nicht zurückgekommen. Das heißt, das sich nach dem 2. Weltkrieg erstmal eine Art 2. oder gar 3. Garde an den Universitäten usw. festgesetzt hat. Da ist es schwer, wieder ganz an die Spitze zu kommen. Es fehlt(e) der entsprechende wissenschaftliche Dialog und ohne Kontakt zu den Spitzenleuten ist es eben einfach schwer zu diesen aufzuschließen. Ich weiß nicht, inwiefern das immer noch so ist, aber ich bin mir sicher, dass das ein Grund der vergangenen Jahrzehnte war, der eben nicht zu "Genies" in Deutschland geführt hat.

    2. Der wissenschaftliche Standort in Deutschland ist einfach nicht mit denen in einigen anderen Ländern vergleichbar. Welche Anreize haben die Spitzenleute denn, hier in Deutschland eine akademische Laufbahn einzuschlagen? Da wird miserabel bezahlt und man wird sogar noch schief angeguckt, wenn ein anderer mitkriegt, dass man Professor oder etwas ähnliches ist. Da brauch man sich ja nur das Wahlduell vom Sonntag angucken. Da redete Schröder andauernd von "diesem Professor aus Heidelberg". Warum hat er das gemacht? Weil er eben genau weiß, dass so ein Stand in einem großen Teil der Bevölkerung mit bestimmten negativen Vorurteilen belegt ist. So jemand gilt als weltfremd und man sagt, "er lebt im Elfenbeinturm". Welche Anreize haben die Spitzenleute dann, in Deutschland zu bleiben, wenn man sich hier für seine Leistungen schon fast schämen muss?

    ...naja, nur so 2 Gedanken, die vielleicht in die Nähe der Gründe kommen, warum man die wissenschaftliche Elite nicht unbedingt in Deutschland suchen sollte.



  • Gregor@Home schrieb:

    Da redete Schröder andauernd von "diesem Professor aus Heidelberg". Warum hat er das gemacht? Weil er eben genau weiß, dass so ein Stand in einem großen Teil der Bevölkerung mit bestimmten negativen Vorurteilen belegt ist. So jemand gilt als weltfremd und man sagt, "er lebt im Elfenbeinturm". Welche Anreize haben die Spitzenleute dann, in Deutschland zu bleiben, wenn man sich hier für seine Leistungen schon fast schämen muss?

    die professoren, die ich kenne, interessiert derartiges geschwafel wahrscheinlich überhaupt nicht. wenn jeder gleich einschnappt, können wir ja gleich einpacken. 🙄



  • scrub schrieb:

    die professoren, die ich kenne, interessiert derartiges geschwafel wahrscheinlich überhaupt nicht. wenn jeder gleich einschnappt, können wir ja gleich einpacken. 🙄

    Naja, gut. Deswegen sind sie ja wahrscheinlich auch hier in Deutschland geblieben und haben nicht wie viele andere nach dem Studium oder dem Doktor das Land verlassen, um die wissenschaftliche Karriere woanders fortzuführen. Dieser Umstand ist AFAIK nicht zu leugnen: Man hört doch immer wieder, dass die wissenschaftliche Elite eher ins Ausland abwandert und eher nicht aus dem Ausland nach Deutschland kommt. Und das liegt natürlich am Standort Deutschland, wobei der genaue Grund sicherlich für jeden unterschiedlich ist. Natürlich gibt es da Leute, denen das Ansehen in der Gesellschaft wichtig ist und anderen ist es vielleicht weniger wichtig.



  • Just kidding... 🤡

    50% alle Menschen in Industriestaaten geben Albert Einstein als Ihr Idol an!!
    Nach 100 Jahren zeigt das Lexikon immer noch unter Intelligenz sein Bild.
    Wurde sein IQ nie ge-toppt?
    Oder gab es danach keine erfolgreichen Wissenschaftler mehr?

    1. Einstein hatte zu Lebzeiten bereits eine Popularität erreicht, wie sie ein Wissenschaftler im 21 Jhd. nie mehr erreichen kann. Jeder kennt Dieter Bohlen, aber wer weiß heute schon, als nicht Physiker, wer von Klitzing war, ohne zu goooglen? Ist der 'Quantisierte Hall Effekt' weniger bedeutend als die 'Allgemeine Relativitätstheorie'? Hat Einie ein besonders aggressives Eigenmarketing betrieben? Wohl eher im Gegenteil. Es war die Zeit und den neuen Stellenwert der Wissenschaft zu Beginn des 20.Jh. Man suchte eine Ikone und fand Ihn.

    2. Die Arbeiten Einsteins erfassten ein interdisziplinäres und intutives Vorgehen, wie es heute in wissenschaftlichen Kreisen mehr geächtet wird. Da auch physikalischen Forschung oft nur noch mit extremen Mittelaufwendungen betrieben werden können. Ohne anerkannte Reputation keine Mittel und ohne Konformität keine Reputation. Nix im Patentamt ein bisschen malen! 😃

    Georg Bernhard Shaw schrieb:

    "Der vernünftige Mensch passt sich an seine Umwelt an. Der unvernünftige Mensch erwartet, dass die Umwelt sich Ihm anpasst. Deshalb wird jeder Fortschritt in der Welt nur von dem unvernünftigen Menschen ausgehen!"

    1. Wenn die Amis einen genialen aber meist wahnsinnigen oder böshaften Wissenschaftler im Film darstellen, ist der meistens Deutscher. 😃

    "I: Verdammt die Russen haben einen Menschen im Weltall. Wie haben die nur das geschafft?
    M: Ihre kriegsgefangen deutschen Wissenschaftler haben Ihnen geholfen!
    F: Keine Angst Mr. Präsident, unsere Deutschen sind besser als deren Deutschen!"
    (aus "Der Stoff aus dem die Helden sind")



  • Ich weiss nicht, wo die anderen Einsteins von morgen herkommen, aber ich bin aus Dt.

    Bye, TGGC



  • TGGC schrieb:

    Ich weiss nicht, wo die anderen Einsteins von morgen herkommen, aber ich bin aus Dt.

    Bye, TGGC

    Verdammt, TGGC, Du bist so verhersehbar, ich hätte deinen Post gar nicht mehr lesen müssen! 👎 😃



  • howdy kumpels,
    ich glaueb die einsteins von morgen kommen aus usa

    mfg,
    coolio



  • ursel schrieb:

    TGGC schrieb:

    ...

    Verdammt, TGGC, Du bist so verhersehbar, ich hätte deinen Post gar nicht mehr lesen müssen! 👎 😃

    Geht mir genauso. Wahrscheinlich fast allen hier ebenso. 😃



  • Weil wir wissen das _er_ es ist.



  • coolio schrieb:

    howdy kumpels,
    ich glaueb die einsteins von morgen kommen aus usa

    mfg,
    coolio

    Das wäre - wenn ich mir New Orleans so ansehe - Evolution aus dem Nichts.



  • Bitsy schrieb:

    Das wäre - wenn ich mir New Orleans so ansehe - Evolution aus dem Nichts.

    nee. "intelligent design" 🤡


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