Sprachliche Frage: Selbstmord oder Freitod?



  • Mr. N schrieb:

    Wieso ist Sterbehilfe für dich kein Suizid? Den objektiven Kriterien (freiwillig, Selbsttötung) gemäß ist es doch einer?

    So könnte man etwas weiter ausholen und auch den Widerspruch lebenserhaltender Maßnahmen zum Suizid zählen. Subjektiv ist für mich die Selbsttötung einfach nicht mit sinnvoller Sterbehilfe in Einzelfällen zu vergleichen.

    @Shade Of Mine: Therapien wirken bei manchen Leuten, die auf der Kippe stehen und sich noch unsicher sind. Das sind meist Jugendliche. Bei anderen dringt der ernste Gedanke zum Suizid innerhalb von einigen Stunden durch und sie ignorieren die Außenwelt nahezu komplett. Leider kenne ich entsprechende Beispiele und es erstaunt mich noch heute die Unverantwortlichkeit dieser Menschen den Hinterbliebenen gegenüber, die immer stets zur Seite standen und bis zum letzten Akt nichts geahnt haben. Sie würden zu ihren Lebzeiten nie jemanden dermaßen kränken und die Anteilnahme an ihren Schwierigkeiten dermaßen abschlagen wie sie es in dem späteren Augenblick getan haben, einsam und hilflos vorgefunden zu werden. Ich kann mich deshalb sehr schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass die Motivation mit dem Druck von einem selbst die eigene gekränkte Seele in diesem Höchstzustand lindert. Ich wage es zu behaupten, dass die seelische Verfassung jegliche Vernunft untergräbt und man nicht mehr von einer Entscheidung reden kann.

    Gruß



  • .filmor schrieb:

    space schrieb:

    Ihr Christen seid in Sachen Arroganz und Dummheit nicht zu überbieten.

    Selber dumm. Jetzt hab ich's dir gegeben, wa?
    Lass bitte diese sinnfreien Beschimpfungen sein.

    Recht hat er trotzdem, Religionen sind einfach nur für Blender.

    Allein das die Kirche AIDS unterstüzt ist ja mehr ein Grund dafür,
    dass die Kirche total zurückgeblieben ist. Leben wir im Mittelalter?

    Außerdem lieber Erhard H.:
    Hier im Thread ging es nicht um christliche Aspekte, also frag ich mich, wieso fängst du mit Religiösem an?

    Zum Thema:
    Ich bevorzuge das Loslassen, hat was befreiendes.



  • feraL schrieb:

    Loslassen, hat was befreiendes.

    Und uneindeutig. Wieso muss es ein Begriff sein, der nur im Kontext verständlich ist?



  • ..



  • Erhard Henkes schrieb:

    volkard (Moderator):
    jaja, weil es eine sünde ist.
    Er wollte provozieren. 😃

    nein, ich wollte lächerlichmachen. indem ich die folgenden ausführungen, die du mit diesem posting vorbereitet hast, auf den punkt bringe.
    übrigens bin ich nur im c++-forum mod. hier bin ich user.



  • feraL schrieb:

    .filmor schrieb:

    space schrieb:

    Ihr Christen seid in Sachen Arroganz und Dummheit nicht zu überbieten.

    Selber dumm. Jetzt hab ich's dir gegeben, wa?
    Lass bitte diese sinnfreien Beschimpfungen sein.

    Recht hat er trotzdem, Religionen sind einfach nur für Blender.

    Allein das die Kirche AIDS unterstüzt ist ja mehr ein Grund dafür,
    dass die Kirche total zurückgeblieben ist. Leben wir im Mittelalter?

    Auch wenn wir vermutlich im Großen und Ganzen einer Meinung sind (Religionen sind in meinen Augen unsinnig, widersprüchlich, und haben schon viel Schlechtes hervorgebracht): du verbindest hier die christliche Religion automatisch mit der Kirche. Das sind grundverschiedene Dinge. Auch viele Christen halten nix von der Kirche. Und zu deinem Beispiel: ja, die Kirche tut Vieles, bei dem man nur den Kopf schütteln kann, definitiv! Aber sieh dir doch den Rest der Welt an. Sieh dir an, was unsere Gesellschaft, unsere Politik zu leisten im Stande sind. Musst du da nicht auch immer wieder den Kopf schütteln? Die Antwort auf deine Frage lautet ganz einfach ja, wir leben im Mittelalter! 😉



  • Borschtsch schrieb:

    Ich wage es zu behaupten, dass die seelische Verfassung jegliche Vernunft untergräbt und man nicht mehr von einer Entscheidung reden kann.

    Ist das nicht irgendwie eine Ausrede?
    Es ist eine Frage der Prioritaeten - wenn du nicht willst, dann musst du garnichts tun. Natuerlich ist es leicht zu sagen "man muss nur wollen, dann geht alles". Es ist nicht leicht, das wird auch nie jemand behaupten...

    Aber wie kommt eine Seele in eine solche Verfassung? Ignorieren wir einmal den missbrauchsfall -> durch manipulation kann man den Menschen zu vielem treiben, aber das ist ja dann im Prinzip wie eine Therapie, nur anders rum.

    In dem man frueh genug anfaengt den Leuten zu helfen, kann man verhindern dass sie ueberhaupt so tief fallen.

    Natuerlich kommt man mit Depressionen irgendwann zu dem Punkt wo die Vernunft abschaltet - keine Frage. Das ganze kann auch aus dem Affekt heraus passieren. Aber man muss es garnicht erst soweit kommen lassen. Wenn man auf der letzten Stufe steht, ist es oft zu spaet umzukehren, aber du gehst diese Stufen ja gezwungener Massen, sondern es ist deine freie Entscheidung.

    Oft beruht diese Entscheidung auf dem nichts tun - aber auch das ist eine. Und dadurch dass man nichts tut steuert man in eine Depression. Aber Selbstmord ist dann ja nicht einfach nur ein zufallsakt, sondern der ausweg aus dem aktuellen Zustand. selbstmord ist immer eine sehr leichte loesung, das ist das problem - wirklich etwas tun ist um dimensionen schwerer. Und wenn man zu lange wartet hat man die Kraft fuer den richtigen Weg nicht mehr.

    Aber ich denke dennoch dass der Mensch fuer seine Taten verantwortlich ist. Er mag sich nicht immer allen Konsequenzen und Optionen bewusst sein und er mag die Vor- und Nachteile falsch bewerten, aber die Entscheidung trifft man dennoch selber und kein anderer fuer einen.



  • Eine gesunde seelische Verfassung ist einfach die Grundlage für sowas wie freie Entscheidung, ohne eine stabile Verfassung der eigenen Seele bezieht man sich nicht mehr auf sowas Untergeordnetes und überlegt für gewisse Zeit nicht mehr. Und ich meine, dass jegliche Sinne einfach zwangsläufig deaktiviert werden. Aber die meisten Depressionen lassen einen Menschen denken und nach Lösungen suchen, man empfindet etwas wie Trauer, Verzweiflung; aber man lebt/kämpft trotzdem weiter, weil man eben seinen Taten eine Herkunft verleihen kann. Bei einer Gleichgültigkeit dagegen, wie ich sie jetzt mal bezeichne, steht man in einem geschlossenen Kreis und empfindet rein gar nichts. Und das ist etwas, was einen Menschen vom Leben trennt, obwohl er lebt.

    Gruß



  • Shade Of Mine schrieb:

    Aber man muss es garnicht erst soweit kommen lassen. Wenn man auf der letzten Stufe steht, ist es oft zu spaet umzukehren, aber du gehst diese Stufen ja gezwungener Massen, sondern es ist deine freie Entscheidung.

    Das ist, entschuldige bitte, einfach nur unsinn.
    Ich möchte Dir nur mal das Beispiel Bipolarer-Störungen nennen. Früher auch Manisch-Depressiv genannt. Meine Freundin leidet darunter und bei mir gab es auch lange diese Verdachtsdiagnose. Diese Menschen fallen innerhalb weniger Stunden in schwerste Depressionen (und das geht um den Faktor tausend über jedes "Depri-sein", traurig sein oder Trauer hinaus!), manchmal für viele Monate.
    Das hat wirklich nichts damit zu tun, dass jemand irgendeinen Weg gegangen ist.
    Diese und ähnliche Formen sind eher Stoffwechselstörungen im Gehirn (Antidepressiva sind nunmal z.B. Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, etwas ganz und gar stoffliches). Man kann psychosoziale Faktoren in früheren Jahren (evtl. sogar der Kindheit) nicht völlig ausschließen (Es gibt eigentlich immer nur Biopsychosoziale Faktoren bei psychischen Krankheiten. Die Gewichtung ist natürlich verschieden). Aber da ist kein bewusst gewählter Weg zu erkennen.

    Ich selbst bin wohl "nur" unipolar Depressiv gewesen. Aber auch ich habe einfach nur mein Leben gelebt, wie es Jahrelang gut und erfüllend war. Irgendwann kam unaufhaltsam und ohne klar sichtbare äußere Umstände der Absturz. Dermaßen schleichend, dass kein Gegenwirken möglich war.
    Auch das Umfeld ist in solchen Fällen fast immer machtlos und handelt viel zu spät. Wegen Unerfahrenheit und Ignoranz.

    Shade Of Mine schrieb:

    selbstmord ist immer eine sehr leichte loesung, das ist das problem - wirklich etwas tun ist um dimensionen schwerer. Und wenn man zu lange wartet hat man die Kraft fuer den richtigen Weg nicht mehr.

    Selbstmord ist die schwierigste Entscheidung die es gibt. Es ist der absolute Horror, wenn man keine andere Lösung mehr sehen und wahrnehmen kann, und zwischen der Angst vor dem sterben und dem qualvollen weiterleben entscheiden muss. Ich habe tiefsten Respekt vor jedem, der diesen letzten Schritt gehen MUSSTE. Ich möchte es ganz ausdrücklich klarstellen: Ein tief suizidaler Mensch hat keine freie Entscheidungsmacht mehr und ist nicht in der Lage, die Welt objektiv zu beurteilen.



  • space schrieb:

    Ich habe tiefsten Respekt vor jedem, der diesen letzten Schritt gehen MUSSTE. Ich möchte es ganz ausdrücklich klarstellen: Ein tief suizidaler Mensch hat keine freie Entscheidungsmacht mehr und ist nicht in der Lage, die Welt objektiv zu beurteilen.

    Ich kann nicht zustimmen. Man kann immer noch bevor man sich selber umbringt was völlig absurdes machen. Zum Beispiel eine Weltreise mit nem geklauten Rad (oder erstmal wo hin fliegen, wenn man noch ein bisschen Geld hat), was hat man zu verlieren, wenn man an diesem Punkt angelangt ist? Man kann sich alle möglichen Plätze ansehen, vielleicht entdeckt man wieder Sinn in einem neuen Leben. Vielleicht geht man dabei drauf, dann ist's auch egal.

    Aber in seine Depressionen verfallen und sich dann selber umbringen erzeugt bei mir nicht tiefen Respekt, das ist die Luschi-Lösung.



  • ..



  • Wie immer: der Markt regelt das selbst 👍



  • space schrieb:

    Shade Of Mine schrieb:

    Aber man muss es garnicht erst soweit kommen lassen. Wenn man auf der letzten Stufe steht, ist es oft zu spaet umzukehren, aber du gehst diese Stufen ja gezwungener Massen, sondern es ist deine freie Entscheidung.

    Das ist, entschuldige bitte, einfach nur unsinn.

    Genau, aber wer es nicht kennt, der glaubt es nicht.

    An einer Depression ist nichts freiwillig. Meistens merkt man selber jahrelang nicht, was da passiert. Der Prozess ist sehr schleichend.
    Und wenn man dann merkt, dass etwas nicht stimmt ist man so kraftlos, dass man das Umdrehen ohne Hilfe nicht schafft. Und Hilfe zu finden ist nicht einfach.

    @space: Kannst du mir bitte mal eine Mail an mail@estartu.de schicken?
    Ich habe eine Frage zu deinem Beitrag.



  • estartu schrieb:

    An einer Depression ist nichts freiwillig. Meistens merkt man selber jahrelang nicht, was da passiert. Der Prozess ist sehr schleichend.
    Und wenn man dann merkt, dass etwas nicht stimmt ist man so kraftlos, dass man das Umdrehen ohne Hilfe nicht schafft. Und Hilfe zu finden ist nicht einfach.

    Und zudem dauert es meist ebenso lange eine Depression abzubauen, wie die Entstehung eben Dieser. Mit schweren Depressionen ist nicht zu spaßen. Wenn dann ein Kind mit um die 15 vor dem Messerblock steht und sich fragt ob es nicht lieber das Leben beenden sollte, die Ärzte nach längerer Therapie feststellen das die Ursachen wohl noch im Mutterleib entstanden sind (wie auch immer, aber die Entstehung des Lebens ist ja auch kein einfacher Prozeß), spätestens dann verstehe ich Eltern (und Kinder) die nicht mehr weiter wissen.

    cu André



  • Optimizer schrieb:

    space schrieb:

    Ich habe tiefsten Respekt vor jedem, der diesen letzten Schritt gehen MUSSTE. Ich möchte es ganz ausdrücklich klarstellen: Ein tief suizidaler Mensch hat keine freie Entscheidungsmacht mehr und ist nicht in der Lage, die Welt objektiv zu beurteilen.

    Ich kann nicht zustimmen. Man kann immer noch bevor man sich selber umbringt was völlig absurdes machen. Zum Beispiel eine Weltreise mit nem geklauten Rad (oder erstmal wo hin fliegen, wenn man noch ein bisschen Geld hat), was hat man zu verlieren, wenn man an diesem Punkt angelangt ist? Man kann sich alle möglichen Plätze ansehen, vielleicht entdeckt man wieder Sinn in einem neuen Leben. Vielleicht geht man dabei drauf, dann ist's auch egal.

    Aber in seine Depressionen verfallen und sich dann selber umbringen erzeugt bei mir nicht tiefen Respekt, das ist die Luschi-Lösung.

    Du verstehst das Wort "Depression" völlig falsch. Du meinst wahrscheinlich eine gewisse Art von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit im allgemeinsprachlichen Sinne. Das ist damit NICHT gemeint. Du sprichst aus deiner bisherigen Lebenserfahrung, und in der sind offensichtlich Gemütszustände wie die einer schweren Depression nicht vorgekommen.
    Ein Mensch mit einer schweren Depression ist NICHT in der Lage eine Weltreise zu tun. Alleine solche Dinge wie Einkaufen und Körperpflege werden zeitweise zur unüberwindbaren Herausforderung. Es fehlt jegliche Kraft, jegliche Art von Genussfähigkeit und positiven Gefühlen sind nicht mehr vorhanden. Das kannst du dir nicht vorstellen und das ist auch keine Schande. Das kann niemand, der es nicht durchlebt hat. Wenn man dann noch in dissoziativen Zuständen die Welt nur noch wie unter Drogen wahrnimmt, ist es mit den Möglichkeiten ganz vorbei.

    Die allerschwersten Formen einer depressiven Erkrankung enden im depressiven Stupor. Einem Lähmungszustand, in dem die Betroffenen 100% pflegebedürftig werden.

    Ok es heißt immer Depressionen sind eine Volkskrankheit. Damit sind aber in der Regel leichte Formen gemeint, die nichtmal medikamentöse Intervention benötigen. Formen, in denen die Erkrankten durch äußere Einflüsse tatsächlich noch erheiterbar sind und schnell genesen können. Ich spreche eher von den darunter liegenden Schichten, in denen äußere Einflüsse keine Wirkung mehr haben. Um ehrlich zu sein meinte mein Therapeut nach einem 3/4 Jahr, dass ich nicht therapierbar bin und unbedingt in eine Klinik muss.

    Also bitte rede nicht von verrückten Dingen machen und sich ablenken. Das ist nicht möglich.

    P.S. Mir liegt etwas an der Aufklärung. Meine Beiträge haben keine andere Motivation.



  • Man kann immer noch bevor man sich selber umbringt was völlig absurdes machen

    Sorry aber ich muss es nochmal ganz deutlich sagen: Man kann NICHT!
    Ebensowenig, wie ein Querschnittsgelähmter nochmal einen 5000m-Lauf absolvieren kann. Es ist nicht möglich ab einer gewissen tiefe einer depressiven Erkrankung!

    Ich wiederhole mich wahrscheinlich, weil es ewig lange dauerte, bis meine Familie und mein Umfeld akzeptieren konnten und verstanden, was los ist.



  • space schrieb:

    P.S. Mir liegt etwas an der Aufklärung.

    Finde ich auch gut 👍 Leider erfährt man zu solchen Dingen oft nur Halbwahrheiten aus siebter Hand.



  • Ich kann space auch nur zustimmen. Es ist im Grunde das, was ich zu erklären versucht habe. Starke Depressionen werden im Alltag aus Unwissenheit unterbewertet.

    Gruß



  • @space: danke für deinen Beitrag

    Hinzu kommt, das die Medizin nicht wirklich versteht, wie eine Depression entsteht, und daher nur beschränkt helfen und oft nicht heilen kann.

    Depressionen sind nach statistischen Angaben in Europa der Hauptgrund für Suizid.



  • Erhard Henkes schrieb:

    @space: danke für deinen Beitrag

    Entschuldige bitte, wegen meinen Aussagen früher in diesem Thread.
    Nicht, dass sich an meiner Meinung (bzgl. Religion) etwas geändert hätte. Aber ich hätte wohl nicht persönlich oder beleidigend werden sollen.
    Das war unsachlich und aus dem Affekt heraus entstanden.


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