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peterchen schrieb:
Und dann gibts ja noch die ganzen agilen Prozesse...
Dachte mir schon, daß du das mit "modernen Entwicklungsprozessen" meinst
Nicht direkt. Ich kann da aber eigentlich auch nur rumfaseln, weil ich von tatsächlich existierenden nicht-agilen Prozessen nicht viel Ahnung habe. Ich kenn aber den in unserer Firma, der ist halbwegs modern (Betonung auf dem ersten Wort), und hat absolut keinen Raum für Code Monkeys.
Wenn ich mir den größten Teil der Fragen auf Messageboards ansehe - Codeproject, CodeGuru, EE und auch hier - ist, positiv formuliert, die Merhzahl noch lange nicht beim "Entwickler" angekommen. Bei cpp.de sehe ich oft zumindest noch Potential, aber sonst - eher ein Heer von Leuten, die man möglichst per Dauermeeting vom Quellcode fernhalten sollte.
Aber sind das auch Leute, die tatsächlich in Projekte eingebunden sind? Und wenn man sie von Quellcode fernhalten sollte, will man sie ja nicht als Codesklaven haben
Ohne Hochschulausbildung schlechtzumachen liefert selbst die beste Ausbildung keinen ausreichenden Pool an guten Entwicklern. (Wahrscheinlich ist das gar nicht möglich - an Teach Yourself Programming in 10 Years stimmt m.E. zumindest der Titel)
Versteh ich dich richtig, du willst darauf hinaus, dass es nicht genug gute Leute gibt, die Entwickler sein können, deshalb müssen die besseren die Specs schreiben und die schlechteren sie umsetzen? Ich denke das funktioniert nicht, weil eine Spec vollständig und widerspruchsfrei zu schreiben nochmal sehr viel schwerer als normale Softwareentwicklung ist. Wenn man die Spec einmal hat, kann man sie auch gleich selbst umsetzen. Die Werkzeuge sind heute da.
Selbst wenn ein "richtig guter" Entwickler 10x so produktiv sein kann wie einer aus dem "guter Durchschnitt"-Pool: wieviele Firmen werden sich auf Gedeih und Verderb dem einen oder den zweien ausliefern, die sie bekommen können? Industrialisierung heißt: den einzelnen Arbeiter möglichst autauschbar zu machen. Einhundert durchschnittliche Programmierer sind einfacher zu ersetzen als zehn Spitzenentwickler.
Das klingt plausibel (leider ;)), aber bedeutet es, dass die 100 durchschnittlichen Programmierer nur zum Codesklaven taugen? Beruf verfehlt, IMHO.
Ich denke, Softwareentwicklung wird in der nahen Zukunft erwachsen werden - ähnlich wie die Warenproduktion mit dem Fließband "erwachsen" geworden ist. Das einzige dann im großen Maßstab tragfähige Personalmodell, das ich mir vorstellen kann, lebt von einer Kohorte von Code Monkeys und Halbprogrammierern, die durch Standardwerkzeuge kaum noch in der Lage sind, großen Schaden anzurichten. Auf der anderen Seite werden Designer stehen, die vom hacken und debuggen keine Ahnung haben.
Bis Softwareentwicklung "erwachsen" wird, wird es meiner Meinung nach noch eine Weile dauern. Funktionale Programmierung wird gerade mainstreamfähig, parallele Programmierung wird momentan immer wichtiger. Stabil ist da überhaupt nichts. Guck dir die DIN-Normen zur Softwareentwicklung an, da kriegt man Lachkrämpfe. Ich glaub Fachinformatiker müssen sowas lernen.
Übrigens ist effektives Debuggen eine Kunst für sich, die einer wissenschaftlichen Arbeitsweise nicht unähnlich ist.